Gegen Pensions-Bashing

Was die Pensionen wirklich kosten und warum die Debatte ums Geld verwirrend sein kann

Das Pensionssystem in Österreich steht wegen der demografischen Entwicklung unter Druck.
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Die Präsidentinnen von Seniorenbund und Pensionistenverband kritisieren „Alarmismus“ in der Pensionsdebatte und wollen die Zahlen aus dem Pensionstopf transparent aufgeschlüsselt sehen.

Wien – Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec hat am Mittwoch in der Debatte über die Pensionskosten einmal mehr „Kostenwahrheit“ gefordert. Ein Viertel der 36 Mrd. Euro, die dem staatlichen Pensionstopf zugerechnet werden, seien eigentlich unter anderem Sozial- und Gesundheitsleistungen, so die ÖVP-Politikerin. Sie pochte auf eine faktenbasierte Diskussion statt „Alarmismus und Panikmache“, auch Birgit Gerstorfer vom SPÖ-nahen Pensionistenverband verlangte eine „faire Diskussion“.

Reha-Kosten und Ausgleichszulage

Im Pensionstopf finde man viele Posten, die mit der Versicherungsleistung Pension nichts zu tun hätten, kritisierte Korosec bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Ausgleichszulage („Mindestpension“), die 2025 immerhin 1,3 Mrd. Euro ausgemacht hat, sei eigentlich eine Maßnahme zur Armutsbekämpfung, die Kindererziehungszeiten fielen unter Familienleistung. Dass auch die Rehabilitationskosten der aktiv Berufstätigen mit 1,8 Mrd. in die Pensionskosten eingerechnet werden, sei überhaupt „absurd“.

Insgesamt gehören aus Sicht des Seniorenbunds 27 Prozent der Kosten nicht in den Pensionstopf für Arbeiter, Angestellte, Selbstständige und Bauern. Deren reine gesetzliche Alterspension käme damit auf 14,2 Mrd. Euro. Bei den Beamten müsste man laut Rechnung der ÖVP-nahen Seniorenvertretung unterdessen die Dienstgeber- und Dienstnehmerbeiträge zu den Pensionen herausrechnen, der Aufwand des Bundes würde sich dadurch um 18 Prozent auf 13,6 Mrd. verringern.

„Hat nichts mit Pensionen zu tun“

Alle Gesundheits- und Sozialausgaben, die derzeit im Pensionstopf ausgewiesen sind, seien notwendig, betonte Korosec. „Aber es hat nichts mit Pensionen zu tun.“ Auf den gewohnten Zahlen basierende Meldungen, wonach ein Drittel der Bundesausgaben in Pensionen fließen, würden aber Jung wie Alt verunsichern. Dabei seien die reinen Pensionsausgaben mit einem Fünftel deutlich geringer.

Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec will darüber aufklären, welche Ausgaben alle dem Pensionstopf zugerechnet werden.
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In den 80 Jahren seit Einführung des ASVG sei der Zuschuss des Bundes zu den Pensionen auch nur zweimal über dem vereinbarten Drittel der Kosten gelegen (der Rest sind Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge, Anm.), und das war in den 1970ern. Tatsächlich seien die ASVG-Pensionen selbst allein durch die Beiträge gedeckt. Die Zuschüsse würden nur Maßnahmen wie Früh- und Invaliditätspensionen und die diversen im Pensionstopf abgebildeten Sozial- und Gesundheitsmaßnahmen betreffen.

Korosec will seriöse Debatte

Korosec verlangte mit Blick auf diese Zahlen „Kostenwahrheit, nicht Alarmismus“. Für eine seriöse Debatte sollten die entsprechenden Posten in Zukunft im Sozial-, Gesundheits- oder Familienbudget abgebildet werden. Die Pensionen seien zwar derzeit u. a. dank der Änderungen beim Durchrechnungszeitraum trotz der höheren Lebenserwartung der österreichischen Bevölkerung sicher, betonte sie – ein ausreichendes Wirtschaftswachstum vorausgesetzt. In Zukunft werde man das System aber an die geänderte Lebensrealität anpassen müssen. Dafür solle eine „ideologiefreie Diskussion über alle Parteien hinweg“ inklusive Fachleuten geführt werden, „damit die Bevölkerung nicht unnötig verunsichert wird“.

Die Menschen sollen wissen, wie das System tatsächlich finanziert wird, und sich auf belastbare Fakten verlassen können.
Birgit Gerstorfer (Präsidentin Pensionistenverband)

Pensionistenverband-Präsidentin Gerstorfer spricht von einem „immer wiederkehrenden Pensions-Bashing in der Öffentlichkeit". Österreich stehe „vor einer großen demografischen Aufgabe – aber nicht vor einem Kollaps des Pensionssystems“, verwies sie in einer Aussendung auf langfristige Prognosen etwa der Europäischen Kommission. Demnach steigen die öffentlichen Pensionsausgaben zwar bis 2032 auf einen Höchststand von rund 15,1 Prozent an. Bis 2070 werden sie aber trotz einer halben Million mehr Pensionistinnen und Pensionisten wieder auf rund 14 Prozent zurückgehen. Im kommenden Jahr werde sie durch alle Bundesländer touren, um Interessierte über das österreichische Pensionssystem zu informieren und „'Pensionsmythen' zu entlarven“, kündigte Gerstorfer an. (TT, APA)