Im Takt von Seoul
Wer Südkoreas Hauptstadt wie ein Local entdecken möchte, braucht vor allem Zeit, Neugier und viel Appetit.
Von Natalie Hagleitner
Dampf steigt aus großen Suppentöpfen. Nebenan zischen Reiskuchen in roter Sauce, Verkäufer rufen einander etwas zu und an den schmalen Theken rückt man zusammen. Wer durch den Gwangjang Market spaziert, muss sich entscheiden: erst schauen oder gleich probieren? Seoul ist eine moderne, pulsierende Stadt. Leuchtreklamen, Hochhäuser und riesige Einkaufszentren gehören genauso zum Stadtbild wie Paläste und traditionelle Häuser. Trotz ihrer Größe wirkt die südkoreanische Hauptstadt unerwartet entspannt. Sie lädt dazu ein, ohne festes Ziel loszugehen, in Seitengassen abzubiegen und immer wieder irgendwo einzukehren. An dieser Stelle ein praktischer Tipp: Google Maps funktioniert in Südkorea nur eingeschränkt. Für Fußwege, öffentliche Verkehrsmittel und Restaurants nutzt man besser Naver Maps.
Schlemmen und stöbern
Essen ist in Seoul keine Nebensache, sondern eine der Hauptaktivitäten. Unzählige Restaurants und Streetfood-Stände servieren Gerichte, die von traditionell bis hip reichen. Der Gwangjang Market ist dafür der beste Einstieg. Hier werden Tteokbokki, weiche Reiskuchen in süßlich-scharfer Sauce, und Eomuk, ein Fischsnack am Spieß, serviert. Dazu kommen knusprige Mungbohnenpfannkuchen, Gimbap-Reisrollen – die koreanische Version von Sushi – und vieles mehr.
Shopping kommt in Seoul ebenfalls nicht zu kurz. Jedes Viertel hat dabei seinen eigenen Charakter. In Myeongdong reihen sich Kosmetikgeschäfte und internationale Marken aneinander. Hongdae ist jünger und kreativer. Rund um die Universität bestimmen kleine Modeläden, Vintage-Shops, Cafés, Clubs und Straßenmusik das Bild. In Insadong findet man traditionelles Kunsthandwerk, Keramik, Papierwaren und Tee. Wer hingegen Luxusmarken und Designerläden sucht, fährt am besten nach Gangnam. Einen Kontrast zu Märkten und Einkaufsstraßen bietet das Leeum Museum of Art, auch als Samsung Museum bekannt. Schon das Gebäude macht deutlich, dass Kunst hier nicht bloß an weißen Wänden hängt. Im Inneren wird mit Licht, Raum, Material und Perspektiven gearbeitet. Rampen führen durch offene Räume und Kunstwerke verschmelzen mit der Architektur. Kunst findet man in Seoul aber nicht nur im Museum.
Im Ihwa-dong Mural Village wird die Nachbarschaft selbst zur Leinwand. Das Viertel zieht sich über einen Hang und besteht aus schmalen Gassen, Treppen und kleinen Häusern. Dazwischen findet man Wandmalereien, Kunstinstallationen und charmante Cafés. Traditioneller ist das Bukchon Hanok Village. Zwischen modernen Gebäuden haben sich hier zahlreiche Hanoks erhalten – koreanische Häuser mit geschwungenen Ziegeldächern, Innenhöfen und kunstvoll gearbeiteten Holzelementen.
Wer im Herbst nach Südkorea reist, sollte die Stadt zumindest für einige Tage verlassen. Östlich von Seoul liegt der Seoraksan-Nationalpark, der für seine schroffen Berggipfel, bewaldeten Täler und leuchtenden Herbstfarben bekannt ist. Seoraksan liegt nahe der Ostküste und lässt sich gut mit einem Aufenthalt in Sokcho verbinden. Ein schöner Kontrast, denn so folgt auf die Wanderung in den Bergen ein Spaziergang am Meer – und danach frischer Fisch auf einem der Küstenmärkte.