Neue Dynamik durch KI: Mehr Home-Office ist gefragt
Beschäftigte in Österreich wünschen sich laut Deloitte-Studie, vermehrt von daheim aus zu arbeiten. Die Künstliche Intelligenz bringt eine neue Dynamik.
Für viele Beschäftigte ist Home-Office längst ein selbstverständlicher Teil ihres Arbeitsalltags. Gleichzeitig gehen die Vorstellungen von Mitarbeitenden und Unternehmen über den Umfang flexibler Arbeit auseinander. Mit Künstlicher Intelligenz (KI) kommt nun eine neue Entwicklung hinzu: Sie verändert nicht nur, wo gearbeitet wird, sondern auch, wie Aufgaben verteilt, Leistung beurteilt und Zusammenarbeit organisiert werden.
Home-Office weit verbreitet
Alle zwei Jahre analysiert Deloitte Österreich in Zusammenarbeit mit der Universität Graz die Entwicklung flexibler Arbeitsmodelle in Österreich. Die aktuelle Studie unter rund 500 Befragten zeigt: Hybride Arbeitsformen haben sich für viele Beschäftigte fest im Arbeitsalltag etabliert. In sieben von zehn Unternehmen ist Home-Office für zumindest die Hälfte der Belegschaft möglich. Besonders in großen Organisationen ist Home-Office an zwei bis drei Tagen pro Woche zum gängigsten Arbeitsmodell geworden. Auch das gegenseitige Vertrauen ist hoch.
„Vor der Corona-Pandemie war Home-Office noch eine Ausnahme, ab 2020 hat sich die Nutzung innerhalb kürzester Zeit vervielfacht. Nach einem ersten leichten Rückgang 2024 zeigt sich nun: Die Entwicklung hat sich auf hohem Niveau eingependelt. Home-Office ist damit vom Krisenmodell zum festen Bestandteil des österreichischen Arbeitsalltags geworden“, erklärt Isabella Schleifer, Director im Bereich Human Capital bei Deloitte Österreich.
Während die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer laut der Befragung mit ihrer aktuellen Home-Office-Möglichkeit großteils zufrieden sind, wünschen sich einige dennoch noch mehr Flexibilität. So würde jede:r dritte Mitarbeitende gerne öfter aus dem Home-Office arbeiten. Auch Bewerber:innen bringen höhere Erwartungen mit: Die Hälfte der Unternehmen beobachtet einen gestiegenen Wunsch nach Home-Office. Führungskräfte stehen einer weiteren Ausweitung allerdings zurückhaltender gegenüber.
„Die Befragung zeigt ein klares Spannungsfeld: Einerseits werden die Auswirkungen von Home-Office auf die Arbeitgeberattraktivität sowie auf Gesundheit, Produktivität und Ergebnisorientierung überwiegend positiv bewertet. Andererseits zeigen sich deutliche Herausforderungen auf sozialer und organisationsbezogener Ebene. Insbesondere der informelle Austausch, persönliche Kontakte und die Vernetzung leiden aus Sicht der Befragten unter der neuen Art der Zusammenarbeit“, sagt Bettina Kubicek, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Graz.
Wenig strategisch
Neben örtlichen Flexibilitätsmodellen wie Home-Office hat sich auch zeitliche Flexibilität, etwa in Form von Gleitzeit, etabliert. Andere Modelle wie Sabbaticals, Job Rotation oder teilautonome Teams werden hingegen weniger genutzt. Gleichzeitig wird flexible Arbeit überwiegend als Mitarbeiterbenefit verstanden: Neun von zehn Unternehmen sehen darin in erster Linie ein Angebot für ihre Beschäftigten. Betriebliche und wirtschaftliche Ziele stehen hingegen an nachgeordneter Stelle.
„Flexible Arbeit ist weit mehr als nur ein Instrument zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung“, erklärt Katrin Hintermeier, Senior Managerin im Bereich Human Capital bei Deloitte Österreich. Wer Flexibilität strategisch nutze, könne dadurch neue Talentpools erschließen, die Anpassungsfähigkeit steigern oder den Fachkräftemangel besser bewältigen. (TT)
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