ÖFB-Premiere für Zawieschitzky

Pflicht erfüllt: ÖFB-Team gewinnt trotz vieler Umstellungen gegen den Kosovo mit 3:1

Affengruber sorgte per Kopf für Österreichs 1:0-Führung.
© GEPA pictures/ Armin Rauthner

Wien - Österreichs Fußball-Nationalteam hat auch sein fünftes Heimspiel in diesem Jahr gewonnen. Die Auswahl von Ralf Rangnick setzte sich am Sonntag in der Nations League in Wien gegen den von Ex-ÖFB-Teamchef Franco Foda betreuten Kosovo mit 3:1 durch. Die Tore erzielten David Affengruber (23.), Junior Adamu (45.+2) und Carney Chukwuemeka (61.), für den Kosovo verkürzte Edon Zhegrova per Elfmeter (83.). Das ÖFB-Team ist als Leader nach zwei Runden in Liga B klar auf Aufstiegskurs.

Rangnick krempelte seine Startformation gegenüber dem 3:1 am Donnerstag in Linz gegen Israel an sechs Positionen um. Salzburg-Goalie Christian Zawieschitzky gab im Tor ebenso sein Debüt wie Clubkollege Nikolas Veratschnig als Rechtsverteidiger. Dazu rückten Affengruber, Maximilian Wöber, Paul Wanner und Stürmer Adamu ins Team. Xaver Schlager führte die ÖFB-Auswahl erstmals als Kapitän aufs Feld.

Der am Sprunggelenk verletzte Michael Gregoritsch stand ebenso wie Philipp Lienhart, Phillipp Mwene und Lukas Jungwirth nicht im Kader. Zawieschitzky erhielt als einer von zwei möglichen Torhüter-Debütanten den Vorzug gegenüber LASK-Goalie Jungwirth. Der 19-jährige Tiroler avancierte zum jüngsten ÖFB-Tormann seit dem legendären Walter Zeman 1946. Dieser war bei seiner Team-Premiere 1945 erst 18 Jahre alt.

Affengruber per Kopf

Die erste Großchance fanden vor 47.000 Zuschauern im fast gänzlich gefüllten Ernst-Happel-Stadion, darunter rund ein Drittel in ihrem Lager, die Gäste vor. Nach einer Umschaltsituation schoss Kapitän und Goalgetter Vedat Muriqi aus ausgezeichneter Position über das Tor (6.). Auf der Gegenseite war Adamus Abschluss zu ungefährlich (7.). Mitte der ersten Hälfte schlug Affengruber zu: Der Fulham-Verteidiger köpfelte in seinem zweiten Länderspiel, dem ersten von Beginn an, eine Freistoßflanke von Wanner gefühlvoll ins lange Eck. Der Treffer hielt auch einem VAR-Check wegen möglichen Abseits stand.

Christian Zawieschitzky feierte ein gelungenes Debüt im ÖFB-Team.
© GEORG HOCHMUTH

Patrick Wimmer hatte das 2:0 auf dem Fuß, spielte aber auf Romano Schmid quer. Dessen Schuss wurde geblockt (35.). Wimmer blieb uneigennützig, legte nach einem Gegenstoß alleine vor Kosovo-Goalie Arijanet Muric auf Adamu quer. Der Schalke-Stürmer musste in seinem zehnten A-Team-Einsatz, dem ersten seit November 2024, nur noch einschieben. Wie für Affengruber war es sein Premierentreffer im ÖFB-Team.

„Joker“-Tor bringt Vorentscheidung

Nach Seitenwechsel konnte sich erstmals Zawieschitzky auszeichnen: Der Teenager parierte einen Kopfball von Muriqi aus kurzer Distanz mit dem Fuß, den Nachschuss blockte Veratschnig (51.). Rangnick brachte mit Alexander Prass, Sasa Kalajdzic und Chukwuemeka frische Kräfte - zwei davon waren nur drei Minuten nach ihrer Einwechslung am 3:0 beteiligt: Kalajdzic bediente mit der Ferse im Strafraum Wanner, dessen scharfe Hereingabe konnte Muric nicht festhalten, Chukwuemeka staubte im Nachsetzen zu seinem zweiten Länderspiel-Tor ab.

Danach kam auch Vasilije Markovic zu seinem Länderspiel-Debüt. Das 18-jährige Mittelfeldtalent von Austria Wien wurde für den offenbar leicht angeschlagenen Wanner eingewechselt (68.). In der 79. Minute war Wimmer einmal mehr durchgebrochen, ließ sich mit dem Abspiel auf Kalajdzic aber zu lange Zeit. Kosovos für den verletzten Muric eingewechselter Ersatzgoalie Amir Saipi war auf dem Posten.

Heimserien ausgebaut

Affengruber bekam den Ball wenig später bei einem Rettungsversuch gegen Sturm-Graz-Legionär Valmir Matoshi an die Hand, der wie Matoshi eingetauschte Juventus-Turin-Profi Zhegrova verwandelte den folgenden Elfmeter sicher im linken Eck. Die Österreicher brachten den Sieg im ersten Duell mit der jungen Balkan-Republik, die in der FIFA-Weltrangliste 55 Positionen hinter ihnen auf Rang 78 liegt, aber sicher über die Zeit.

Nations-League - Liga B, Gruppe 3, 2. Runde:

Österreich – Kosovo 3:1 (2:0)

Wien, Ernst Happel Stadion, 47.000 Zuschauer, SR Walsh (SCO)

Tore: 1:0 (23.) Affengruber, 2:0 (45.+2) Adamu, 3:0 (61.) Chukwuemeka, 3:1 (83.) Zhegrova (Elfmeter)

Österreich: Zawieschitzky - Veratschnig (79. Friedl), Affengruber, Danso, Wöber (58. Prass) - Seiwald, X. Schlager - Wimmer, Wanner (68. Markovic), Schmid (58. Chukwuemeka) - Adamu (58. Kalajdzic)

Kosovo: Muric (65. Saipi) - Dellova, I. Krasniqi, Raci - Vojvoda, Hodza (46. Matoshi), Avdullahu, Gallapeni - E. Krasniqi (46. Zhegrova), Muriqi (79. Asllani), Zabergja (46. Avdyli)

Gelbe Karten: Danso (im nächsten Spiel am Donnerstag in Dublin gegen Irland gesperrt), Affengruber bzw. Raci, Matoshi

Die Rangnick-Auswahl baute ihre ÖFB-Rekordserie auf 16 ungeschlagene Heimspiele in Folge aus. Zudem erzielten die Österreicher in ihrer 28. Heimpartie in Folge zumindest einen Treffer. Damit übertrafen sie den bisherigen Verbandsrekord von 27 in Serie aus den Jahren 1935 bis 1951. Am Donnerstag geht es für das ÖFB-Team in Dublin gegen Irland weiter, ehe am Sonntag in Prishtina das Rückspiel gegen den Kosovo auf dem Programm steht.

Stimmen zum Spiel:

Ralf Rangnick (ÖFB-Teamchef): „Jeder, der im Stadion war, hat gesehen, dass wir eine richtig gute Energie am Platz hatten. Das war der Schlüssel für den Sieg. Heute will ich keinen herausheben, es ist keiner abgefallen. Wenn ein Fehler passiert ist, waren sofort zwei, drei da, um ihn wettzumachen. Das war auch unser Ziel. Wir hatten auch fast die ganze Zeit über die Kontrolle über das Spiel. Beim ersten Treffer kann er den Kopfball nicht besser setzen ins lange Eck, solche Aktionen haben wir in den vergangenen Tagen ständig mit unserem neuen Standardtrainer Max Ritscher trainiert. Das 2:0 kann man nicht viel besser herausspielen. Wir haben jetzt eine sehr gute Ausgangsposition, jetzt gilt es zu regenerieren und dann auch in Dublin zu gewinnen. Es ist ein unglaublicher Zug drinnen im Moment, den gilt es jetzt auch mitzunehmen.“

Franco Foda (Kosovo-Teamchef): „Wir haben gut angefangen und hätten mit 1:0 in Führung gehen müssen. Dann hätte das Spiel in eine andere Richtung gehen können. Dann haben wir im Spielaufbau und Ballbesitz zu einfache Fehler begangen. Dafür wurden wir bitter bestraft. Das 0:2 vor der Pause darf so nicht passieren. Nach der Pause hatten wir die Chance, den Anschlusstreffer zu erzielen, das ist uns nicht gelungen, und später kassieren wir noch das 0:3. In der Defensive war das nicht gut genug. Österreich hat genau in den richtigen Momenten die Tore erzielt, so ist es manchmal im Fußball. Sie schalten extrem schnell um, waren sehr präsent und defensiv haben sie auch gut gearbeitet. Insgesamt war der Sieg von Österreich daher nicht unverdient. Wenn man die Statistik anschaut, war das Spiel aber relativ ausgeglichen, bei den expected Goals und dem Ballbesitz war der Unterschied nicht so groß.“

David Affengruber (ÖFB-Torschütze): „Wir haben eine sehr gute Leistung gebracht. Wir wollten eigentlich zu Null spielen, dann verschulde ich leider einen Elfmeter, vom Gefühl her ein softer Penalty, aber wir haben eine super Mannschaftsleistung gebracht und nehmen die drei Punkte gerne mit. Romano hat mir schon im Training immer super Hereingaben geliefert und gesagt, jetzt muss es einmal im Match funktionieren. Nun hat es geklappt. Wir haben eine Mannschaft, wo das Teamgefüge stimmt. Ob es eine Empfehlung war, müssen andere Leute beurteilen, ich habe mein Bestes gegeben, wir haben drei Punkte geholt, jetzt geht es zum nächsten Spiel.“

Christian Zawieschitzky (ÖFB-Tormann): „Es war sehr aufregend für mich. Vor ein paar Monaten war ich noch als Zuschauer da, jetzt mein Debüt zu feiern, ist sehr speziell. Ein paar Jungs kenne ich noch von der Zeit, wo ich noch Balljunge war. Ich frage mich tatsächlich manchmal, was da alles passiert ist in den vergangenen Monaten. Es kann aber immer auch schnell nach hinten gehen, ich genieße daher die Zeit. Ins Team habe ich mich sehr gut eingefunden, wir haben eine gute Chemie, es macht Spaß zu spielen.“