Kritik an Aufrüstung

US-Papst erinnert zum Abschluss seiner Frankreich-Reise an die Werte Europas

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron applaudiert Papst Leo, der Europa zur „kreativen Wiederentdeckung“ aufrief.
© AFP/Pizzoli

Zum Abschluss seiner umjubelten Frankreich-Reise hielt Papst Leo XIV. in Metz ein Plädoyer für Europa. Und kritisierte den Umgang mit Flüchtlingen.

„Habt keine Angst vor der Zukunft!“, mahnte Papst Leo XIV. am letzten Tag seines Frankreich-Besuchs am Montag in Metz. In einer Grundsatzrede zu Europa beklagte er, dass sich der Umgangston zwischen Staaten weltweit und auch Menschen untereinander verschlechtert habe.

„Heutzutage werden die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer“, sagte der Papst.

Papst: Europa soll „Abwärtsspirale“ ein Ende setzen

Im Beisein von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron appellierte er an die Europäer, dieser „Abwärtsspirale“ mit eigenen Anstrengungen ein Ende zu setzen. „Europa hat in den vergangenen 80 Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass es möglich ist, unterschiedliche Meinungen, Forderungen und Interessen geltend zu machen, indem man sich begegnet, anstatt sich zu bekämpfen.“ Jetzt gehe es darum, zu den Wurzeln seiner Werte zurückzufinden, um eine „kreative Wiederentdeckung“.

Für Metz als letzte Station seiner Frankreich-Reise entschied sich Leo, weil dort einer der Gründerväter der Europäischen Union zu Hause war: Der französische Politiker Robert Schuman (1886 bis 1963) legte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Außenminister die Grundlagen für die heutige EU.

Zahlreiche Gläubige verfolgten die Rede des Papstes vor der Kathedrale von Metz.
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Leo redet Europäern ins Gewissen

Der Papst nutzte seinen Auftritt in Metz auch, um den Europäern wegen des Umgangs mit Flüchtlingen ins Gewissen zu reden. Er warnte vor Abschottung. Für Kriegs- und Armutsflüchtlinge müssten „ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse“ gefunden werden. „Einen Menschen aufzunehmen bedeutet, ihn wie ein Familienmitglied zu integrieren und ihm die Möglichkeit zu bieten, seine Talente, Fähigkeiten und seine Persönlichkeit zu entfalten.“ Dazu gehöre für den Ankömmling dann aber auch, „sich in den Geist des Hauses einzufügen“.

Leo ging auch darauf ein, dass Europa vielfach vorgeworfen wird, zu unentschlossen und zu langsam zu sein. „Wir dürfen niemals das Vertrauen in unsere Fähigkeit verlieren, Fortschritte zu erzielen, auch wenn die zurückgelegten Schritte manchmal klein und fast unmerklich sind.“

Kritik an Aufrüstung

Den bereits seit mehr als vier Jahre andauernden Krieg in der Ukraine nannte er ein „sinnloses Gemetzel“. Mit Blick auf Europas Reaktion auf den russischen Angriff warnte er davor, einer „Illusion der Wiederaufrüstung“ nachzugeben. Stattdessen mahnte er mehr „kreative Anstrengungen“ an, um den Weltfrieden zu fördern.

Zum Ende appellierte der Papst an die Jugend: „Unterwerft Euch nicht der Logik der Gewalt und der Unterdrückung. Liebt das Leben in jedem Augenblick und habt keine Angst vor der Zukunft!“ Man dürfe auch keine Angst davor haben, eine Familie zu gründen und Kinder zur Welt zu bringen.

Macrons Einladung stieß auf wenig Widerhall

Präsident Macron hatte zu der Europa-Rede des Papstes auch Staats- und Regierungschefs der anderen EU-Mitgliedsstaaten eingeladen, was aber kaum auf Widerhall stieß. Im Anschluss an seine Rede feierte der Papst in der Kathedrale von Metz eine Messe, an der auch Macron überraschenderweise teilnahm. Wegen der strikten Trennung von Kirche und Staat in Frankreich war der Präsident bei den ersten Gottesdiensten nicht dabei gewesen.

Die nächste größere Reise wird das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken im November für zehn Tage nach Südamerika führen. Stationen sind Uruguay, Argentinien und Peru, wo er vor seiner Wahl zum Papst viele Jahre als Missionar und Bischof tätig war. Aus dieser Zeit hat der gebürtige US-Amerikaner auch die peruanische Staatsbürgerschaft. (TT, dpa)