Gute Abschlüsse, alte Probleme: OECD zieht Bildungsbilanz
Die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ vergleicht systematisch die Bildungssysteme weltweit. Im Mittelpunkt stehen Bildungsergebnisse vom Kindergarten bis zur Universität und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, Bildungszugänge, Finanzierung und Schulorganisation.
Wien, Brüssel, Paris – „Bildung auf einen Blick“ ist ein riesiger Datenschatz und dient Regierungen und Forschern zur Standortbestimmung. So auch heuer wieder. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Zwar sind im internationalen Vergleich in Österreich besonders viele Lehrerinnen und Lehrer mit Arbeitsbedingungen und Gehalt zufrieden (80 Prozent). Über einen Berufswechsel denken nur die wenigsten nach (6 Prozent). Kritisch sind allerdings die ersten Jahre: Laut der OECD-Studie haben neun Prozent der Berufsneulinge mit klassischer Lehrerausbildung den Job hingeschmissen.
Weitere wichtige Ergebnisse aus der heurigen Studie
- Abschlussquote Sekundarstufe: In Österreich schließen 59 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Sekundarstufe II (Lehre, berufsbildende mittlere Schule, AHS-Matura, BHS bis zum 3. Jahr) in der Mindestdauer ab. In der OECD ist dieser Wert mit 76 Prozent deutlich höher.
- Akademikerquote: 2025 lag der Anteil der Personen mit einem tertiären Bildungsabschluss an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei 38 Prozent (OECD-Schnitt: 43 Prozent). Der Teufel liegt aber im Detail: In Österreich werden von der OECD mittlerweile nicht nur Hochschulabschlüsse dazugezählt, sondern auch bestimmte Schulabschlüsse (BHS-Abschlüsse gelten im internationalen Vergleich als tertiäre Kurzausbildungen, Anm.). Über einen Bachelor-, Master/Diplom- bzw. Doktorabschluss verfügen in Österreich dagegen nur 22 Prozent (OECD: 35 Prozent).
- Ausgaben pro Schüler/Student: In Österreich betrugen diese 2023 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 18.831 US-Dollar (ohne Forschungsausgaben an Hochschulen). Damit lagen sie weit über dem OECD-Schnitt von 14.865 Dollar. Das gilt auch für die jeweiligen Einzelbereiche Volksschule, Sekundarstufe und Hochschulen.
- Bildungsausgaben: Gemessen an der Wirtschaftsleistung lagen Österreichs Bildungsausgaben 2023 exakt im OECD-Schnitt: In Österreich wie auch in den anderen Industriestaaten wurden 4,7 Prozent des BIP für Bildungseinrichtungen vom Primär bis Tertiärbereich verwendet.
- Bildungsniveau: In Österreich verfügten 2025 13 Prozent der 25-bis 64-Jährigen höchstens über einen Pflichtschulabschluss (OECD: 18 Prozent). 46 Prozent absolvierten als höchsten Bildungsabschluss die Sekundarstufe II (OECD: 35 Prozent), drei Prozent eine postsekundäre nicht-tertiäre Ausbildung (z. B. Gesundheits- und Krankenpflegeschulen, bestimmte Uni- oder FH-Lehrgänge; OECD: vier Prozent). 15 Prozent haben als höchsten Abschluss eine sogenannte kurze tertiäre Ausbildung (v.a. BHS-Matura, ehemalige Pädagogische Akademien; OECD: sieben Prozent). Sechs Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben ein in Österreich im internationalen Vergleich relativ spät eingeführtes Bachelorstudium (OECD: 20 Prozent) abgeschlossen, 15 Prozent ein Master- oder Diplomstudium (OECD: 14 Prozent) und ein Prozent ein Doktoratsstudium (OECD: ebenfalls ein Prozent).
- Klassengrößen: In Österreich sind die Klassen relativ klein: Im Volksschulbereich saßen 2024 im Schnitt 19 Kinder (OECD: 21) in einer Klasse, in AHS-Unterstufen und Mittelschulen 21 (OECD: 23).
- LehrerInnengehälter: PädagogInnen verdienen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen mehr als im OECD-Schnitt. Lag 2025 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt mit 67.576 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr über dem OECD-Schnitt (48.038), ist der Abstand beim Höchstgehalt mit rund 118.140 US-Dollar noch größer (OECD: 77.033). Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I und der AHS-Oberstufe. Im Vergleich zu anderen Hochschulabsolventen in ihrem Land stehen Lehrer in Österreich dagegen etwas schlechter da: So verdient ein Lehrer in der Volksschule 76 Prozent vom durchschnittlichen Akademiker-Gehalt, in der Sekundarstufe I sind es 83 und in der AHS-Oberstufe 90 Prozent (im OECD-Schnitt: 87 bzw. 91 und 95 Prozent).
Minister für bessere Bedingungen
Darum wirft fast ein Zehntel der JunglehrerInnen den Job wieder hin
- Lehrermangel: Zwischen dem Schuljahr 2017/18 und 2024/25 hat sich an den Schulen der Anteil der Stellen, die durch nicht vollständig ausgebildete Lehrkräfte besetzt werden (z. B. Lehramtsstudierende, Quereinsteiger), in Österreich von 3,2 Prozent auf 6,7 Prozent mehr als verdoppelt. In der OECD liegt er mit 9,1 Prozent aber deutlich höher.
- Unterrichtszeit: In der Volksschule unterrichten Lehrpersonen in Österreich pro Schuljahr 783 Netto-Stunden (also nicht Unterrichtsstunden). Das liegt leicht über dem OECD-Schnitt (770). Ganz anders dagegen in den anderen Schulformen: In den AHS-Unterstufen und Mittelschulen kommen die heimischen Pädagogen mit 625 Stunden auf deutlich weniger Unterrichtszeit als in der OECD (710 Stunden). Gleiches gilt für AHS-Oberstufe (Österreich: 584 Stunden, OECD: 678) und die berufsbildenden Schulen (Österreich: 587, OECD: 685).
- Zufriedenheit der Lehrkräfte: Hier erreichen die österreichischen LehrerInnen Spitzenwerte: 72 Prozent der Lehrkräfte an den Mittelschulen und AHS-Unterstufen sind mit ihrem Gehalt sehr zufrieden oder zufrieden. Das ist Platz zwei hinter den Niederlanden und weit über dem OECD-Schnitt (39 Prozent). 82 Prozent sind mit ihren Beschäftigungsbedingungen abseits des Gehalts sehr zufrieden oder zufrieden – auch das ist ein Wert im Spitzenfeld und weit über dem OECD-Schnitt (68 Prozent). Nicht so glücklich sind die Lehrerinnen und Lehrer allerdings mit ihrer Einschätzung der Wertschätzung des Lehrberufs in der Gesellschaft. Nur 21 Prozent sind der Ansicht, der Beruf werde in der Gesellschaft geschätzt – das entspricht genau dem OECD-Schnitt. (TT, APA)
OECD und die Studie „Bildung auf einen Blick“
Die OECD ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und umfasst 38 Mitgliedsstaaten, die sich Marktwirtschaft und Demokratie verpflichtet fühlen. Die meisten OECD-Länder verfügen über hohe Pro-Kopf-Einkommen.
Für die am Dienstag veröffentlichte OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2026“ („Education at a Glance“) wurden Daten aus den 38 OECD-Ländern analysiert und verglichen. Ebenfalls teilgenommen haben Argentinien, Brasilien, Bulgarien, China, Indien, Indonesien, Kroatien, Peru, Rumänien, Saudi-Arabien und Südafrika.
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