Tanzen fordert Kopf und Körper
Beim Tanzen verarbeitet das Gehirn Musik, koordiniert Bewegungen und reagiert auf andere Menschen. Studien zeigen positive Effekte auf kognitive Fähigkeiten und Wohlbefinden.
Von Natalie Hagleitner
Ein Schritt zur Musik, eine Drehung, ein Blick zum Gegenüber: Was leicht aussieht, verlangt dem Gehirn einiges ab. „Beim Tanzen ist eine Vielzahl an Gehirnarealen gleichzeitig aktiv“, erklärt Olga Maria Klimecki-Lenz vom Institut der Biologischen Psychologie der Universität Innsbruck. Fachleute sprechen dabei von multimodaler Stimulation: Mehrere Sinnesbereiche werden gleichzeitig angesprochen und müssen zusammenspielen. Aus der Forschung an Menschen und Tieren weiß man, dass dies helfen kann, kognitive Fähigkeiten, Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten. Beim Tanzen sei diese Form der Aktivierung ausgeprägter als bei Bewegungsformen, die man allein und ohne Musik ausübt.
Was die Forschung zeigt
Auswertungen mehrerer Studien zeigen, dass Tanzen kognitive Funktionen und das psychische Wohlbefinden verbessern kann. Auch für gesundes Altern und gegen kognitiven Abbau gibt es vielversprechende Hinweise. „Was wir bisher noch nicht so gut verstehen, ist, durch welche neurobiologischen Mechanismen dies vermittelt wird“, sagt Klimecki-Lenz.
Ist Tanzen damit wirksamer als Spazierengehen, Radfahren oder andere Bewegung? So pauschal lasse sich das nicht sagen. Bei der Lebensqualität von Menschen mit Parkinson sowie bei Angst und depressiven Symptomen deuten Studien auf vergleichbare Effekte hin. Vorteile des Tanzens zeigen sich hingegen möglicherweise bei Motivation, Gedächtnis und sozialer Kognition – also der Fähigkeit, andere Menschen und soziale Situationen wahrzunehmen und zu verstehen. Auch psychisches Leid könnte durch Tanzen stärker abnehmen. Andere Bewegungsformen scheinen dagegen die Selbstwirksamkeit stärker zu fördern.
Tanzen soll Spaß machen
Komplizierte Choreografien sind nicht nötig, um das Gehirn zu fordern. „Freies und bewusstes Tanzen scheint auch sehr gute Effekte zu bringen“, sagt Klimecki-Lenz. Eine zentrale Rolle spiele dabei das Tanzen mit anderen. Ob als Paar, in der Gruppe oder ganz frei, indem man sich von den Bewegungen anderer inspirieren lässt oder sie spiegelt: Das gemeinsame Tanzen fügt der Bewegung eine soziale Ebene hinzu. „Gemeinsam zu tanzen, bietet die Gelegenheit, miteinander in harmonischer Art in Kontakt zu treten“, sagt Klimecki-Lenz. Auch das sei gesundheitlich relevant, denn aus der Forschung wisse man, wie wichtig ein gutes soziales Miteinander für die Gesundheit ist.
Eine feste Empfehlung, wie oft oder wie lange man dafür tanzen sollte, lässt die Forschung derzeit noch nicht zu. Menschen reagieren unterschiedlich auf solche Angebote. Studien zeigen zwar positive Effekte bei Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen. Ausschlaggebend sei aber auch, ob einem das Tanzen liegt: „Wichtig ist es, eine Form des Tanzes zu finden, die den eigenen Vorlieben entspricht und an der man Freude hat.“