Für Schubert ist die Zeit reif, Kletter-Geschichte zu schreiben
Seit eineinhalb Jahrzehnten prägt Jakob Schubert den Wettkampf-Klettersport wie kaum ein anderer. Dieser Tage möchte sich der Innsbrucker auf der für ihn „schwierigsten Route der Welt“ verewigen. Am Fels.
Der Vergleich hinkt und drängt sich dennoch auf. Blickt Jakob Schubert auf die DNA-Route in der Verdonschlucht, dann sieht er ein Puzzle mit immens vielen Teilen, welche er in mühevoller Kleinarbeit zu einem großen Ganzen formen muss. Das hat Tirols Kletterstar nicht erst in den vergangenen zehn Tagen vor Ort getan. Nach einem ersten Lokalaugenschein im Frühjahr 2023, einem zweiwöchigen Erkundungstrip mit Kletterlegende Adam Ondra im Herbst 2024 und einer weiteren Annäherung in diesem Frühjahr fühlt sich der 34-jährige bereit, „all in“ zu gehen, wie er in bester Pokermanier versichert.
Erstmals sieht sich der sechsfache Weltmeister darüber hinaus, die mit dem Schwierigkeitsgrad 9c bewertete Felswand zu durchklettern. Ein Kunststück, welches bislang erst dem Franzosen Sebastién Bouin im Frühjahr 2022 gelungen ist. Sollte auch Schubert erfolgreich sein – ein Livestream (youtube.com/@JakobSchubertClimbing) hält diesbezüglich auf dem Laufenden – wäre er der erste Kletterer, der zwei 9c-Routen durchklettert bzw. eine 9c-Route wiederholt. Im September hatte er die B.I.G. in Flatanger (NOR) eröffnet (= erstbestiegen).
„Es ist so hart, es sind so viele schwierige Züge, die dich aufs Äußerste fordern“, meldete sich Schubert dieser Tage aus der Verdonschlucht. „Am Anfang kannst du dir kaum vorstellen, diese Züge miteinander zu verbinden. Aber jetzt fühle ich mich bereit und hoffe, das Ganze zu einem Happy End zu bringen.“
Einen Durchstieg der DNA würde Schubert mit einem WM-Titel oder einer Olympia-Medaille gleichsetzen. Oder wie er kürzlich im TT-Interview präzisierte: „Nur am Fels kannst du dich in der Kletterwelt so richtig verewigen. Jede künstliche Route auf den Wettkampfwänden verändert sich, eine Felsroute bleibt gleich – im besten Fall über Jahrhunderte. Da können sich theoretisch auch die nächsten Generationen vergleichen.“
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