Entscheidung am Sonntag?

SPÖ-Frauen haben wenig Freude mit dem „Gehabe mancher Männer“

SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner mit Parteichef Andreas Babler. Holzleitner ärgert sich darüber, dass nicht über Inhalte geredet wird -und das auch noch an den Frauen vorbei.
© APA/Slovencik

Die Sozialdemokratie kreist weiter um sich selbst und die Frage des Parteivorsitzes. Bis Sonntag laufen intern die Telefone heiß, viele rote Player wollen sich aber nicht in die Karten schauen lassen. Generell unzufrieden zeigen sich die SPÖ-Frauen.

Wien – Der kommende Sonntag könnte für die SPÖ zum Tag der Entscheidung werden: Der angezählte Parteichef Andreas Babler hat ja die Landeschefs zu einem Treffen eingeladen. Gestern sagte der burgenländische SPÖ-Landesparteichef Hans Peter Doskozil, bekannt für seine mitunter scharfe Kritik an der Bundespartei, sein Kommen zu. Inhaltliche Infos oder ein Statement im Vorfeld gab es von ihm nicht. 2023 war er Babler in der Stichwahl um den Parteivorsitz unterlegen.

Dass nun mit dem Medienmanager Gerhard Zeiler erneut ein, wie Doskozil meint, „linker Kandidat“ die Roten übernehmen könnte, hält er auch für keine gute Lösung. Dies wäre „kein Gewinn für die Partei“, hatte der Landesparteichef bereits erklärt, bevor Zeiler seine Ambitionen bekannt gab. Zeiler wiederum hatte in der Vergangenheit gemeint, er würde unter Doskozils Vorsitz nicht SPÖ-Mitglied sein wollen.

Ludwig hält sich noch zurück

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), auf dessen Festlegung allgemein gewartet wird, erklärte am Donnerstag, er sei „in Personalangelegenheiten keine laute Stimme“ und versuche in der Diskussion um Gerhard Zeilers Ambitionen auf den Parteivorsitz seinen „Beitrag im Rahmen von vertrauensvollen Gesprächen“ zu leisten. Dem Vernehmen nach will er sich am Samstag mit den Wiener Bezirksparteichefs austauschen.

Am Sonntag treffen sich dann die Landesparteichefs zuerst unter sich, bevor sie mit Babler in größerer Runde zusammenkommen.

Umfragen im Keller

Als Babler-kritisch gilt die Salzburger Sozialdemokratie. Der Bürgermeister der Landeshauptstadt, Bernhard Auinger, sagte am Donnerstag, es lasse sich nicht abstreiten, dass es angesichts der Umfragewerte Handlungsbedarf gebe. Die Richtung im Bund stimme nicht, „Kommunalwahlen haben wir durchaus gewinnen können“.

Mehr wollte Auinger dann aber auch nicht sagen: „Wir diskutieren im Wohnzimmer, nicht am Balkon.“ Die Personaldiskussion in der Öffentlichkeit schade der SPÖ.

Das sehen auch die Frauen in der SPÖ so. Wenig angetan von den „öffentlichen, unkoordinierten Debatten“ ist die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner. „Diese schaden unserer frauenpolitischen Arbeit und dem Vertrauen in die Politik“, erklärte Holzleitner und verwies auf das Inhaltliche: „Notwendige Maßnahmen für Frauen wie der Gewaltschutz, die Verschärfung des Sexualstrafrechts, Ausbau der Frauengesundheit, Senkung der Frauenarbeitslosigkeit treten durch das Gehabe mancher Männer in den Hintergrund, obwohl sie oberste Priorität haben müssen“.

Es gilt: Niemals ohne die Frauen!
Eva-Maria Holzleitner, SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende

Bei einer Sitzung des SPÖ-Frauenpräsidiums am Mittwoch wurde klargestellt, dass die Frauen eine inhaltliche Auseinandersetzung und einen geordneten und professionellen Prozess verlangen. Ohne Frauen gehe es jedenfalls nicht. Holzleitner ist zu dem Treffen Bablers mit den Länderchefs am Sonntag ebenfalls eingeladen. Auch ÖGB-Chef Wolfgang Katzian und Staatssekretärin Michaela Schmid, die als Babler-Vertraute gilt, sollen dabei sein.

Keine berauschenden Werte

Bei der roten Wählerschaft scheint Zeiler jedenfalls ein Fehlstart passiert zu sein. In einer OGM-Umfrage für das Servus-TV-Format „Blickwechsel“ sprechen sich nur 16 Prozent der sozialdemokratischen Wähler für den Medienmanager aus, Babler kommt auf 41 Prozent. 22 Prozent hätten gerne eine dritte Alternative. Zeiler scheint auch ein Bekanntheitsproblem zu haben: 73 Prozent der Befragten sagten, sie würden ihn auf der Straße nicht erkennen.

Bei der Gesamtbevölkerung käme ein Parteichef Zeiler laut einer Lazarsfeld-Umfrage für oe24 auf 19 Prozent der Stimmen. 29 Prozent halten ihn für prinzipiell wählbar. (APA, car)