Fehlgeschlagene Hinrichtung: Neue Details im Drama um Todeskandidatin Christa Pike
„Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen“, soll die 50-Jährige im Todeskampf gesagt haben. Nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung von Mittwochabend liegt sie bewusstlos in einem Krankenhaus.
Die im US-Bundesstaat Tennessee zum Tod verurteilte Christa Pike ist laut ihren Anwälten nach ihrer fehlgeschlagenen Hinrichtung weiter bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Pike sei intubiert und werde in einem Krankenhaus in Nashville künstlich beatmet, schrieben Pikes Anwälte in einem Gerichtsantrag. Die 50-Jährige hätte am Mittwochabend (Ortszeit) mit einer Giftspritze hingerichtet werden sollen.
Doch nachdem ihr nach Angaben der Behörden die im Protokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, lebte sie weiter. Pike befindet sich seitdem in kritischem Zustand. Das Krankenhauspersonal arbeite daran, ihr Leben zu retten und das verabreichte Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen.
Keinen intravenösen Zugang gefunden
Am Donnerstag hatte Pikes Anwalt Randy Spivey erklärt, das Personal habe bei der versuchten Hinrichtung etwa eine Stunde erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen. „Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln“, sagte Spivey. Laut Gerichtsantrag war eine davon beim Herausziehen um 90 Grad verbogen. Während der Prozedur habe man Pike weinen gehört. Sie habe laut geatmet und gesagt: „Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen“. Bei der Einlieferung ins Krankenhaus seien beide Arme der 50-Jährigen „geschwollen, verbrannt und mit Blasen übersät“ gewesen.
Der republikanische Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, setzte nach dem Vorfall alle weiteren Hinrichtungen aus. Es ist offen, ob der Staat noch einmal versuchen wird, das Todesurteil zu vollstrecken. Pike wurde 1996 für den Mord an der 19 Jahre alten Colleen Slemmer zum Tode verurteilt. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Laut ihren Anwälten litt sie als Opfer sexuellen Missbrauchs unter psychischen Problemen.
Gefängnisdirektor zurückgetreten
Der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee tritt nach dem Vorfall zurück. Frank Strada werde das Amt in diesem Monat niederlegen, gab der Gouverneur des Südstaates, Bill Lee, am Samstag bekannt. Strada erklärte, sein Rückzug sei „im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee“. Der Republikaner Lee ordnete zudem eine unabhängige Untersuchung an. (TT, dpa)