Gewitter traf Schwaz mit Wucht - Halltal erneut von Mure verschüttet

Heftige Unwetter sorgten am Wochenende im ganzen Land für Feuerwehreinsätze. In Schwaz musste jeder verfügbare Mann ausrücken. Das Halltal wurde erneut von einer Mure verschüttet.

Absam, Schwaz – Die ersten großflächigen Überschwemmungen und Murenabgänge des Sommers haben in den Bezirken Schwaz und Innsbruck-Land schwere Schäden verursachte. Vor allem im Halltal schlug die sommerliche Stimmung von einer Minute auf die andere um.

Hunderte Wanderer haben sich bis zum frühen Abend entlang des Baches noch erfrischt. Die Hitze drängt sie förmlich ans Ufer, wo sie über kleinen Felsen klettern, um ihre Füße im eiskalten Wasser baumeln zu lassen. Kurz nachdem die letzten Wanderer das Halltal verlassen haben, ändert sich die Situation plötzlich. Innerhalb von wenigen Augenblicken verwandelt ein heftiges Gewitter den Bach in einen reißenden Fluss, der über die Ufer tritt.

Frühwarnsystem verhinderte Schlimmeres

Ein für Tirol einzigartiges Frühwarnsystem verhinderte am Sonntagabend, dass Personen verletzt wurden. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) meldete das aufkommende Gewitter mit möglichen Muren um 20.23 Uhr und schickte eine Warnung ins Halltal. Sofort schaltete die Ampelanlage bei der Einfahrt ins Halltal auf Rot. Die angekündigte Mure kam um 21.30 Uhr.

Absams Bürgermeister Arno Guggenbichler schätzt die Geröllmenge auf 30.000 bis 40.000 Kubikmeter. „Das ist fast wie eine Wiederholung aus dem vergangenen Jahr. Für uns ist das sehr bitter“, seufzt er. Gestern begannen Bagger den Fluss wieder von der Straße ins Bachbett zu drängen. Die Aufräumarbeiten dürften drei bis vier Wochen dauern. Obwohl sich die Muren inzwischen jährlich wiederholen, gebe es laut Bürgermeister Guggenbichler keine Chance, das zu verhindern. „Der Bettelwurf lässt sich einfach nicht verbauen.“ Er rechnet wie im vergangenen Jahr mit einem Sachschaden von mindestens 200.000 Euro.

Feuerwehr in Schwaz im Dauereinsatz

Wie hoch die Schäden in Schwaz sind, steht noch nicht fest. Bis zu 25 Feuerwehren standen mit 200 Mann in der Nacht auf Montag im Einsatz. Auch gestern noch mussten 85 Mann an verschiedensten Orten im Bezirk Straßen freilegen und Keller sowie Tiefgaragen auspumpen. Feuerwehrkommandant Karl Rinnergschwentner war nahezu durchgehend von Sonntag 22 Uhr bis Montagnachmittag im Einsatz: „Am schlimmsten hat es die Zintbergstraße erwischt. Die ist von einer Mure richtig weggerissen worden“, schildert er das Unwetter. Verletzt wurde niemand. Über eine Forststraße soll jetzt eine Umgehung eingerichtet werden.

Zudem musste die Landesstraße zwischen Schwaz und Buch nach Vermurungen gesperrt und im Laufe des gestrigen Tages gesäubert werden. Der am stärksten betroffene östliche Teil von Schwaz hatte mit Hochwasser zu kämpfen. Die Anwohner schützten sich mit Barrikaden und Sandsäcken vor den Wassermassen.

Für alle Schadensfälle hat die Stadtgemeinde ein Büro eingerichtet. Tel: 05242

6960-410 (technische Fragen) bzw. DW 204 (versicherungstechnische Fragen).

„Wetter stabilisiert sich“

Nach dem Dauerregen der vergangenen Tage kündigt sich ab heute Besserung an, wie Meteorologe Bauer von der ZAMG sagt: „Das Wetter stabilisiert sich und wird wieder sommerlich. Da sind nur isolierte Schauerzellen möglich.“ Ab Freitag macht der Sommer jedoch schon wieder Pause und für das Wochenende sagt der Meteorologe eine neue Gewitterfront voraus. (TT)