Fehlstart-Regel auf dem Prüfstand: Promi-Opfer Bolt schaut nach vorne

Usain Bolt hat sich selbst um das Sprint-Triple gebracht, zeigte sich aber als fairer Verlierer.

Daegu - Jeder ist schlagbar. Manche müssen sich aber selbst schlagen, um geschlagen zu werden. Oder sie werden Opfer einer Regelung auf der Basis der Null-Toleranz, die jetzt heftig diskutiert wird, weil es den Größten erwischt hat. Dass der in Daegu auf Gold programmierte jamaikanische Weltrekordler Usain Bolt sich mit einem Fehlstart selbst um die Chance des neuerlichen Sprint-Triples bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften brachte, beschäftigt zum Teil auch dessen Profiteure. Bolt indes „muss nach vorne schauen“.

Bolt: „Gratuliere den Medaillen-Gewinnern“

Nachdem er am Sonntagabend beim Verlassen des Stadions nur mitgeteilt hatte, das man von ihm jetzt keine Tränen sehen werde, meldete sich Bolt am Montagnachmittag (Ortszeit) mit einer Aussendung zu Wort, in der er aber wenig zum Gefühlszustand sagte. „Zuerst will ich meinem Teamkollegen Yohan Blake gratulieren und den anderen Athleten, die Medaillen gewonnen haben“, schrieb der Weltrekordler. „Natürlich bin ich extrem enttäuscht, dass ich wegen des Fehlstarts nicht die Chance hatte, meinen Titel zu verteidigen.“ Er sei bereit gewesen, im Finale schnell zu laufen.

Auf den Fehlstart selbst, der auf seiner Website als „Anti-Höhepunkt“ der Meisterschaft bezeichnet wird, ging er nicht ein. „Ich muss jetzt nach vorne schauen, es macht keinen Sinn, in der Vergangenheit zu verweilen.“ Er habe ein paar Tage, um den Fokus wiederzufinden und sich für die 200 Meter am Freitag bereitzumachen. „Ich weiß, dass ich in einer guten Form bin, ich konzentriere mich darauf, über die 200 m schnell zu sein.“ Danach steht für ihn auch noch der WM-Staffelstart auf dem Programm.

Glaubwürdigkeit des Sports hängt von Regeln ab

Die neue Fehlstart-Regelung wurde vom Weltverband (IAAF) mit 1. Jänner 2010 eingeführt, die Athleten sind mit dem ersten Vergehen draußen. Zuvor galt ab 2003, dass erst der zweite Fehlstart und dessen Verursacher geahndet wurde, der erste Frühstarter hielt sich schadlos. Das hatte manche zu einem bewusst produzierten Fehlstart verleitet, um die Gegner zu verunsichern. Noch älter ist die Regelung, dass Sprinter erst nach ihrem eigenen zweiten Fehlstart aus dem Rennen genommen wurden.

Die IAAF bemühte sich, der Aufregung entgegenzuwirken. „Natürlich ist die IAAF enttäuscht, dass Usain Bolt im 100-m-Finale einen Fehlstart hatte. Aber es ist wichtig, daran zu erinnern, dass die Glaubwürdigkeit des Sportes von ihren Regeln abhängt. Und die müssen konsequent und fair für ALLE (sic) Athleten angewandt werden“, teilte der Weltverband mit.

„Die Fehlstart-Regel bringt uns um. Hoffentlich wird sie für London geändert“, sagte Sprint-Silbermedaillengewinner Walter Dix aus den USA mit Blick auf die Olympischen Spiele 2012. „Ich war geschockt. Das habe ich von ihm (Usain/Anm.) nicht erwartet. Ich musste dranhalten und es für Jamaika klarmachen“, meinte Goldmedaillengewinner Blake, der aber mit der Fehlstart-Regel selbst kein Problem hat.

Ganz anders als der drittplatzierte Kim Collins aus Saint Kitts and Nevis, der sich dringend für eine Modifizierung ausspricht. „Gebt dem Feld wenigstens einen Fehlstart, so wie es die frühere Regel war“, verlangt der Sprint-Weltmeister von 2003, der erzählte, schon befürchtet zu haben, dass er die Rote Karte aufgebrummt bekommen werde. Doch es war zu offensichtlich. Bolt hatte seinen Fehler gleich erkannt und sich als entlarvter „Sünder“ das Trikot über den Kopf gezogen.

Auch Chambers und Ohuruogu draußen

Bolt ist nicht das erste prominente Fehlstart-Opfer in Daegu, vor ihm hatte es auch im 100-m-Halbfinale den Briten Dwain Chambers erwischt sowie über 400 m dessen Landsfrau und Olympiasiegerin Christine Ohuruogu. Doch das hat keine großen Wellen geschlagen. „Bei aller Fairness, er (Bolt/Anm.) ist Weltmeister und Olympiasieger und Weltrekordhalter und die Menschen auf der ganzen Welt wollten ihn sehen heute Abend“, sprach Collins. So sehr er auf dem Podium stehen wolle, dies sei eine traurige Nacht für die Leichtathletik. (APA)


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