Pilotenfehler führte offenbar zur tödlicher Kollision von Flugzeugen

Am Sonntagnachmittag stießen zwei Motorflugzeuge in Zell am See zusammen. Unter den Todesopfern sind auch zwei Tiroler.

Innsbruck/Zell am See – Einen Tag nach der Kollision von zwei Kleinflugzeugen beim Landeanflug zum Flugplatz Zell am See im Salzburger Pinzgau mit vier Toten wurde am Montag, fieberhaft nach der Unfallursache gesucht. Nach derzeitigem Informationsstand hat menschliches Versagen den Zusammenstoß ausgelöst. Die beiden Piloten dürften sich nicht gesehen haben, sie flogen laut Polizei übereinander und stießen um 15.44 Uhr in einer Höhe von 30 bis 50 Metern rund 100 Meter von der Landebahn entfernt zusammen.

Der Motorsegler des Typs „Super Dimona“ und das Motorflugzeug - eine einmotorige, zweisitzige Cessna 150 - prallten auf einer Wiese auf. Der 31-jährige Pilot der Cessna und seine 30-jährige Passagierin, die beiden stammen aus dem Ötztal in Tirol, sowie eine 57-jährige Deutsche aus München, die im Motorsegler saß, kamen noch an der Unfallstelle ums Leben. Der 57-jährige Pilot des Motorseglers, der ebenfalls aus dem Raum München kommt, wurde mit schweren Verletzungen ins Unfallkrankenhaus nach Salzburg gebracht. Die Ärzte kämpften vergeblich um sein Leben, er starb am späten Sonntagabend.

Piloten dürften sich nicht gesehen haben

Die beiden Tiroler waren von Innsbruck nach Zell am See geflogen, die beiden Deutschen von einem Flugplatz in Bayern aus. Beide Flugzeuge trugen ein deutsches Kennzeichen. Am Steuer saßen die männlichen Insassen. Zum Zeitpunkt der Kollision herrschten beste Wetterbedingungen und Sichtverhältnisse. Laut Augenzeugen haben sich die Tragflächen der Flugzeuge berührt.

Der gerichtlich beeidete Sachverständige Thomas Muigg traf gestern am Unfallort ein und verschaffte sich bei der ersten Begutachtung der Wracks einen Überblick. Dem Funkverkehr zufolge dürften die beiden Piloten gewusst haben, dass sich ein anderes Flugzeug im Landeanflug befindet. „Sie haben sich offensichtlich nicht gesehen“, sagte Muigg im Gespräch mit der APA. Möglicherweise habe der eine Pilot aber angenommen, dass der andere noch weiter entfernt sei.

Piolten kommunizierten offenbar nicht per Funk miteinander

Nach derzeitigem Ermittlungsstand kommunizierten die zwei Piloten nicht per Funk miteinander, obwohl sie sich auf der gleichen Funkfrequenz befanden. Die unterschiedliche Bauweise der Flugzeuge dürfte das Sichtproblem verschärft haben. Da der Motorsegler (Tiefdecker) - der oberhalb flog - die Tragflächen unterhalb der Sitzposition hatte, die Flügel der Cessna (Hochdecker) oberhalb der Sitze angebracht waren, „haben sich die Piloten nicht gesehen“, vermutete auch einer der Geschäftsführer des Flugplatzes Zell am See, Christian Moser. Denn normalerweise sei es kein Problem, wenn sich mehrere Flugzeuge im Anflug befinden.

Der Flughafen Zell am See ist ein unkontrollierter Flugplatz und verfügt nur über eine Piste. Die Piloten, die auf eigenes Risiko landen, müssen Positionsmeldungen abgeben. „Sie bekommen vom Kontrollturm Informationen, aber keine Landanweisungen. An- und Abflüge erfolgen nach eigenem Ermessen der Piloten. Sie müssen auf Sicht fliegen und die notwendige Distanz zu anderen Flugzeugen einhalten“, erklärte Gerichtssachverständiger Muigg. Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, dass die Piloten miteinander über Funk kommunizieren.

Experten untersuchen Wracks

Die Wracks wurden mittlerweile in eine Halle der Firma Zemka in Zell am See gebracht. Dort wird Muigg heute und morgen die restlichen Teile begutachten. Auch ein Experte der Flugunfalluntersuchungsstelle des Verkehrsministeriums wird die Wracks untersuchen. Es werden noch Zeugen befragt und, falls vorhanden, auch Radaraufzeichnungen ausgewertet. Möglicherweise haben auch Navigationsgeräte in den beiden Flugzeugen Daten gespeichert, die dann ebenfalls überprüft werden. „Es wird alles eruiert, was man eruieren kann. Alle Aufzeichnungen werden ausgewertet“, sagte Polizeisprecher Anton Schentz. Man erwarte sich auch Aufschlüsse vom Funkverkehr. Die Flugunfallkommission werde aus dem Ermittlungsergebnis versuchen, Schlüsse ziehen, um solche Zusammenstöße in Zukunft verhindern zu können, sagte Schentz. (APA)


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