Dem „ganzen Affentheater“ zum Trotz: Waltz im Bann Hollywoods

Eine Rückkehr ins deutschsprachige Filmgeschäft ist für den Schauspieler im Moment nicht vorstellbar. Christoph Waltz arbeitet lieber in den USA.

München/Venedig – Seine Rolle als teuflischer SS-Mann katapultierte Christoph Waltz auf den Schauspiel-Olymp von Hollywood. Und da fühlt er sich auch ziemlich wohl. Die Arbeit dort empfinde er als „beglückend“, sagte der Oscar-Preisträger der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch). „Ich hab‘ in diesen zwei Jahren dort so viele gute Leute kennengelernt, dass ich bereit bin, diese ganze Mischpoke bis aufs Messer zu verteidigen“ - und das „trotz dieses ganzen Affentheaters, das da zweifellos existiert, und trotz dieser ganzen seltsamen Nasen, die da ihr Unwesen treiben“. Die Mehrzahl der Menschen in Hollywood arbeite mit einer solchen Begeisterung am Film, dass „ein Sog entsteht“.

Waltz wird in Quentin Tarantinos neuem Film „Django Unchained“ mitspielen, vorher ist er noch in einer Neuauflage der „Drei Musketiere“ (Österreich-Start am Donnerstag) zu sehen - und in Roman Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ (Ö-Start: 25.11.) an der Seite von Kate Winslet, Jodie Foster und John C. Reilly. Der Film geht beim Filmfestival von Venedig ins Rennen um den Goldenen Löwen. Mit Tarantino drehte Waltz auch seinen Riesen-Erfolg „Inglourious Basterds“.

Vor allem im Vergleich zum deutschen Film schneide Amerika gut ab, betonte der 54-jährige Waltz in der Zeitung. „Das ganze deutschsprachige Film- und Fernsehgeschäft ist halt im Moment nicht mehr mein Anliegen“ - und damit sei er auch sehr zufrieden. Den Hauptunterschied beschreibt er so: „Wir fangen immer mit der Beurteilung an. Das ist eine unüberwindbare Behinderung. Drüben hat jemand eine Idee, jemand will etwas Neues. Und legt erst einmal los.“

Trotz allem wisse er, dass seine Karriere in den USA ein jähes Ende finden könne. „Die wollen immer die nächste Sensation. Wenn die ausbleibt, ist man ganz schnell vergessen.“ Die Rückkehr ins deutschsprachige Filmgeschäft wäre für ihn aber sehr schmerzhaft: „Die Verhältnisse, die mich hierzulande so viele Jahre gewurmt haben - mich da auf meine alten Tage wieder hineinzubohren, das wünsche ich mir schon, dass mir das erspart bleibt.“ (dpa)


Kommentieren