Arbeitslosigkeit stieg im August um 0,4 Prozent

Die Arbeitslosigkeit ist erstmals nach 17 Monaten wieder gestiegen.

Wien - Die Arbeitslosigkeit ist im August erstmals seit 17 Monaten wieder gestiegen. Im Jahresvergleich nahm sie leicht um 0,4 Prozent oder 849 Personen auf 219.247 zu. Zählt man die 54.214 (-13,8 Prozent) in Schulungen befindlichen Personen dazu, waren im August insgesamt 273.461 Menschen ohne Job. Am stärksten betroffen waren Frauen (+2,2 Prozent), Personen ab 50 Jahren (+4,8 Prozent) und Ausländer (+8,2 Prozent). Nach Bundesländern betrachtet wurde der stärkste Anstieg in Wien (+6,8 Prozent), der stärkste Rückgang in Vorarlberg (-16,3 Prozent) verzeichnet.

Rückgänge wurden hingegen bei Männern (-1,3 Prozent), Inländern (-1,3 Prozent) und Jugendlichen (-2,5 Prozent) verzeichnet. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Jahresvergleich um 24,8 Prozent gesunken, geht aus Zahlen des Sozialministeriums vom Donnerstag hervor. Sieht man von Wien ab, wurden auch im Burgenland (+2,5 Prozent), in Salzburg (+2,0 Prozent) und Kärnten (+1,0 Prozent) mehr Arbeitslose verzeichnet als vor einem Jahr. In allen übrigen Bundesländern ging die Arbeitslosigkeit zurück.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) führt den Anstieg der Arbeitslosigkeit von 0,4 Prozent darauf zurück, dass durch den Rückgang der Schulungen, durch die Einbeziehung der Mindestsicherungsbezieher in die Statistik sowie die Öffnung des Arbeitsmarktes für die östlichen Nachbarländer mehr Menschen in der Statistik erfasst werden, wie er am Donnerstag betonte. Hundstorfer verwies auf die europaweit niedrigste Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent sowie den Rückgang im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit.

Nichtsdestotrotz hält das Sozialministerium fest, dass sich der Arbeitsmarkt leicht abschwächt. Die Arbeitslosigkeit in der Industrie ist im August mit 11 Prozent zwar nach wie vor deutlich zurückgegangen, allerdings nicht mehr so stark wie in den vergangenen Monaten. Als „negativer Frühindikator“ wird der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den Leiharbeitern um 7,3 Prozent gewertet. Auch die um 6,7 Prozent gesunkene Zahl an offenen Stellen deute auf eine leichte Abschwächung der künftigen Arbeitsmarktentwicklung hin, so das Ministerium.

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Weniger Arbeitslose gab es im August nicht nur in der Industrie, sondern auch im Handel (-2,5 Prozent), Bau (-1,9 Prozent) und Tourismus (-0,6 Prozent). Gestiegen ist die Zahl der Arbeitslosen hingegen im Gesundheits- und Sozialwesen (+5,2 Prozent) - eine Entwicklung, die die Arbeitnehmersprecherin der Grünen, Birgit Schatz, auf den Plan ruft. Es sei an der Zeit zu erkennen, dass der Dienstleistungssektor verstärkt Aufmerksamkeit braucht, so Schatz. Auch seien die „instabilen Verhältnisse, in denen LeiharbeiterInnen herum lavieren nicht akzeptabel“. „Wir brauchen Beschränkungen, die endlich dazu führen, dass Fixanstellungen zunehmen und Leiharbeit zurückgeht“, fordert Schatz.

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel findet die Entwicklung bei Frauen und älteren Menschen „besorgniserregend“. Er erwarte, dass bei den Budgetverhandlungen ein Plus für die Arbeitsmarktpolitik herausschaue. Außerdem dürfe es keine weitere Liberalisierung bei der Arbeitszuwanderung geben.

In der Wirtschaftskammer hebt man die positive Entwicklung am Lehrstellenmarkt hervor, was zeige, dass der „Wirtschaftsmotor brummt“. Die Zahl der offenen Lehrstellen stieg um 9,3 Prozent, jene der Lehrstellensuchenden sank um 7,7 Prozent. (APA)


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