Assads Gewaltherrschaft gerät erstmals gefährlich ins Wanken

Die Verwirrung, die der Rücktritt des syrischen Generalstaatsanwalt auslöst, zeigen, dass Assads Regime immer mehr ins Wanken gerät.

Damaskus – Das syrische Regime zeigt nach Monaten blutiger Gewalt gegen Demonstranten erste Auflösungserscheinungen. Erstmals seit Beginn der Protestwelle gegen Staatschef Bashar al-Assad ist offenbar ein ranghoher Beamter zurückgetreten. In einem im Internet verbreiteten Video gab der Generalstaatsanwalt der Provinz Hama, Adnan Mohammed al-Bakkur, die Niederlegung seines Postens bekannt, was von den syrischen Behörden am Donnerstag aber umgehend als „glatte Lügen“ bezeichnet wurde.

„Ich, Adnan Mohammed al-Bakkur, Generalstaatsanwalt der Provinz Hama, gebe hiermit meinen Rücktritt unter dem Regime von Assad und seinen Banden bekannt“, sagte er in dem Video. Wo und wann das Video aufgenommen wurde, blieb unklar. Al-Bakkur begründete seinen Schritt mit der anhaltenden Gewalt gegen Regierungsgegner. Am 31. Juli seien im Zentralgefängnis von Hama 72 Aktivisten exekutiert worden, 320 weitere durch Folter in Polizeigewahrsam gestorben. Rund 420 Menschen seien von Sicherheitskräften getötet und in Massengräbern verscharrt sowie rund 10.000 Menschen „willkürlich festgenommen“ worden, sagte el Bakkur in dem Video.

Von Terroristen entführt

In einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Sana hieß es dazu, Al-Bakkur sei am vergangenen Montag von Terroristen entführt worden. Diese hätten ihn unter Androhung von Gewalt gezwungen, Lügen über die Praktiken der Sicherheitskräfte zu verbreiten. Behörden werteten die Aussagen des Beamten als unter Zwang geäußerte „glatte Lügen“. Seine Kidnapper hätten ihn nun gezwungen, diese falschen Informationen zu verbreiten, erklärte der Gouverneur von Hama, Anas Naaem, laut Sana.

In der Nacht auf Donnerstag meldete die Protestbewegung erneut Razzien in der Stadt Hama, die zu den Hochburgen des Aufstandes gegen Assad gehört. Seit Mittwoch seien landesweit sechs Zivilisten getötet worden, hieß es. Unter den Toten soll ein zehn Jahre altes Mädchen sein, das in Deir al-Zor in einem Taxi erschossen wurde.

2200 Tote, Hunderte Vermisste

Wie viele Menschen seit Beginn des Aufstandes Mitte März getötet wurden, kann bisher niemand genau sagen. Menschenrechtler gehen jedoch von mehr als 2.200 Toten aus. Hunderte von Menschen werden von ihren Angehörigen vermisst. Es wird befürchtet, dass etliche von ihnen getötet und in Massengräbern verscharrt wurden.

Ähnlich wie in anderen arabischen Staaten hatten die Proteste auch in Syrien mit einem Ruf nach demokratischen Reformen begonnen. Als die Sicherheitskräfte begannen, auf Demonstranten zu feuern, eskalierte der Konflikt.

Ein Video des Generalstaatsanwaltes mit englischer Übersetzung sehen Sie hier: http://dpaq.de/jLQN3


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