Exil-Tibeter in Österreich begehen „Tibetan Democracy Day“

Protest vor chinesischer Botschaft - Solidarität für Unterdrückte in Tibet - Mehr Aufmerksamkeit seitens der Politiker gefordert.

Wien - Mit einem stillen Protest nahe der chinesischen Botschaft in Wien haben am Freitag österreichische Exil-Tibeter den „51. Tibetan Democray Day“ (Tibetischer Tag der Demokratie) gefeiert. Es sei ein „Hilfeschrei“ der tibetischen Gemeinde, weil „unsere Landsleute in Tibet absolut keine Rechte haben und von China unterdrückt werden“, erklärte Ngawang Lodoe, der Präsident der Tibetergemeinschaft Österreich (TGÖ), gegenüber der APA. Rund 40 Personen unterstützten die friedliche Kundgebung anlässlich des Aktionstages, der mit einer Mahnwache am Wiener Stephansplatz um 18.00 Uhr zu Ende geht.

„Normalerweise ist der Tag der Demokratie ein freudiger Tag, eigentlich müssten wir feiern. Aber in Tibet haben wir noch immer null Demokratie“, so Lodoe. Durch die von der TGÖ initiierten Aktion in Wien wolle man Solidarität mit den Landsleuten in Tibet ausdrücken. Aber auch in Österreich bekomme man manchmal die Unterdrückung zu spüren, sagte Lodoe in Anspielung auf die angeordnete „Verlegung“ des Protestes in eine Seitengasse der chinesischen Botschaft anstatt wie geplant davor. „Egal, wo man hingeht, man merkt, dass wir kein freies Land haben.“

Von der österreichischen Regierung wünscht sich Geshe Dhargye, Direktor des Tibetischen Zentrums in Hüttenberg (Kärnten), stärker für Menschenrechte in China und Tibet einzutreten. Österreichische Politiker wären oftmals „zu sehr damit beschäftigt, freundschaftliche Beziehungen mit China zu pflegen. Sie dürfen aber ihre Rolle im Bezug auf Menschenrechte nicht vergessen“, appellierte Dhargye. Von der Politik, aber auch der Öffentlichkeit wünscht sich der Mönch mehr Aufmerksamkeit und Bewusstsein für die Situation der Tibeter weltweit.

Im Rahmen der Protestveranstaltung wollten die Demonstrierenden auch zweier tibetischer Mönchen gedenken, die im März bzw. August diesen Jahres Selbstmord begingen. Nach Angaben der TGÖ verbrannten sich die beiden Männer aus „Frustration, um zu zeigen, dass es ihnen schlecht geht und um Aufmerksamkeit zu erregen“.

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Der „Tibetische Tag der Demokratie“ gilt als der Tag, an dem das erste demokratische Repräsentantenhaus in der Geschichte Tibets - die Commission of Tibetan People‘s Deputies (CTPD) - seine Arbeit aufnahm. Nach dem Sieg der Kommunisten über die Nationalisten und die darauffolgende Okkupation Tibets durch die chinesische Volksarmee ab 1950 sahen sich viele Tibeter gezwungen, ins Exil zu fliehen. In Indien versuchte der Dalai Lama, das geistliche (und bis April 2011 auch politische, Anm.) Oberhaupt der Exil-Tibeter, einen Prozess der Demokratisierung einzuleiten. Im Jänner 1960 präsentierte er ein entsprechendes Programm, das die Implementierung einer Regierungskörperschaft vorsah. Nach den ersten Wahlen durch das Volk wurde das CTPD schließlich am 2. September 1960 vereidigt.

In Österreich leben laut Angaben der TGÖ derzeit laut 300 Exil-Tibeter, davon rund 100 in der Bundeshauptstadt Wien. Von den knapp sechs Millionen Tibetern leben heute etwa 140.000 weltweit im Exil. Seit der Fremdherrschaft der Chinesen kamen rund 200.000 Tibeter durch Folter und Unterdrückung ums Leben. Die TGÖ und das Tibetische Zentrum gehen aber von einer viel höheren Dunkelziffer aus und schätzen die Zahl der Opfer auf über eine Million. (APA)


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