Beyrer will internationale Wirtschaftsprüfer suchen

Der Telekom-Aufsichtsrat hat am Freitag in einer mehr als fünfstündigen Krisensitzung Maßnahmen zur Aufklärung der Korruptionsaffären beschlossen.

Auslöser sind Spekulationen wonach das Gustostückerl, die Österreich-Tochter A1, von einer unabhängigen Aktiengesellschaft in eine weisungsbebundene GmbH umgewandelt werden soll.
© dapd

Wien – ÖIAG-Chef und Telekom-Aufsichtsratspräsident Markus Beyrer will nun ein Untersuchungsteam einsetzen, das die Telekom-Skandale aufklären und das Unternehmen durchleuchten soll. Ein internationales Wirtschaftsprüfungsteam mit spezifischem forensischem Know-how werde in einer Ausschreibung gesucht, sagte Beyrer Freitagabend in der „ZiB 2“ des ORF-Fernsehens nach dem Krisen-Aufsichtsrat der Telekom Austria. Dem Telekom-Vorstandschef Hannes Ametsreiter habe der Aufsichtsrat das Vertrauen ausgesprochen, dieser sei zum Zeitpunkt der Vorwürfe im Management einer Tochtergesellschaft gesessen.

In der Telekom müsse nun für Aufklärung gesorgt werden, auch wenn die interne Revision schon gut gearbeitet habe. Den Skandal will der Chef der Staatsholding, die an dem börsenotierten Unternehmen über 28 Prozent der Aktien hält, jedoch nicht mit anderen Affären wie den Schmiergeldskandal Siemens vergleichen: Während es dort um einen Milliardenschaden gegangen sei, gehe es in der Telekom bisher um 18 Mio. Euro.

Der Aufsichtsrat habe in der Kontrolle nicht versagt, meint Beyrer, der selber erst seit 1. Juli an der Spitze der ÖIAG und seit rund einem Monat an der Spitze des Telekom-Aufsichtsrats steht. Die Aufsicht habe ihre Pflichten voll erfüllt. „Wenn es ein System gibt, das so zusammenwirkt, dass es für ein Aufsichtsorgan nicht sichtbar ist, bedarf es manchmal eines Zufalls, damit man hinter die Dinge blicken kann“.

Angesprochen auf seinen Jagdausflug nach Schottland auf Einladung des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly im Jahr 2008 zeigte sich Beyrer ohne Berührungsängste. Die Annahme der Einladung sei „völlig legitim“ gewesen, er sei damals als Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) für einen „privaten Verein“ tätig gewesen und immer wieder zu ganz unterschiedlichen Dingen eingeladen worden. „Davor oder danach würde ich so eine Einladung natürlich nicht annehmen.“ Die in Medien genannten hohen Kosten für seinen Flug kann sich Beyrer nicht erklären: Er habe ursprünglich Linie fliegen wollen, „dann hat es geheißen ich kann dort mitfliegen, dann bin ich mitgeflogen“. Laut Medienberichten zahlte die Telekom 21.800 Euro für Beyrers Flug, abgerechnet wurde demnach über den Berater Peter Hochegger.

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Im Telekom-Skandal stehen 9 Mio. Euro Zahlungen an Hochegger unter Korruptionsverdacht, da das Unternehmen für diese Zahlungen keine dokumentierte Gegenleistung gefunden hat. Auch Mensdorff-Pouilly spielt eine ungeklärte Rolle: Die Telekom hat an den Lobbyisten 1,1 Mio. Euro gezahlt, nach Angaben des Kronzeugen und Ex-Telekom-Vorstands Gernot Schieszler soll diese Zahlung mit der Neuvergabe des Polizeifunkprojekts an Alcatel, Motorola und die Telekom in Verbindung stehen. Mensdorff-Pouilly soll auch von Motorola 2,6 Mio. Euro für den Auftrag bekommen haben, in Summe seien also 3,7 Mio. Euro an ihn geflossen. Der Lobbyist, Ehemann von Ex-Ministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP), weist jeden Schmiergeldverdacht zurück. Die Telekom-Zahlung von 1,1 Mio. Euro an Mensdorff-Pouilly zählt zu jenen Rechnungen, für die bei der Telekom keine Gegenleistung dokumentiert ist. (APA)


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