Verhaftete leugnen Erpressung Berlusconis

„Berlusconi wollte uns helfen. Er war für uns wie ein Vater, ein Onkel“, sagte Tarantinis Frau Angela Devenuto. Der italienische Premier soll dem Unternehmerpaar 850.000 Euro gegeben haben.

Die Erpressungsaffäre, in die der italienische Premier Silvio Berlusconi involviert ist, sorgt täglich für Schlagzeilen. Der am Donnerstag verhaftete Unternehmer Giampaolo Tarantini und dessen Ehefrau bestritten bei einem Verhör in Neapel den Vorwurf, Berlusconi für Falschaussagen über Callgirls, die in den Residenzen des Premiers in Rom und auf Sardinien ein- und ausgingen, erpresst zu haben.

Berlusconi habe ihnen lediglich Geld gegeben, weil Tarantini wegen der gegen ihn laufenden Ermittlungen wegen Drogenhandels und Korruption nicht arbeiten konnte. „Berlusconi wollte uns helfen. Er war für uns wie ein Vater, ein Onkel“, berichtete Tarantinis Frau Angela Devenuto.

Die Ermittler gehen dagegen davon aus, dass das Ehepaar von Berlusconi für ihr Schweigen über die Callgirls, die beim Regierungschef verkehrten, über 850.000 Euro erpresst haben sollen. Zudem soll er monatlich weitere Summen vom Premier erhalten haben. Die Vorwürfe der Ermittler basieren auf abgehörten Telefongesprächen.

Der 34-jährige Tarantini hatte 2009 erklärt, er habe rund 30 Frauen bezahlt, die an zügellosen Partys des Ministerpräsidenten teilgenommen und Sexdienste angeboten hätten. Darunter sei auch die Prostituierte Patrizia D‘Addario gewesen. Der Unternehmer soll hohe Summen von Berlusconi erhalten haben, damit er den Ermittlern erzählte, der Ministerpräsident habe nicht gewusst, dass die Frauen bezahlt würden. Tarantini war im Juni wegen Drogenhandels zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden und hatte mehrere Monate unter Hausarrest verbracht.

Die italienische Opposition ist wegen der Affäre in Aufruhr. Die Verhaftung Tarantinis wegen Erpressung des Premiers kennzeichne „den tiefsten Punkt in der Geschichte unserer Republik“, protestierte ein Sprecher der Oppositionspartei „Italien der Werte“. Berlusconi sei für Italien eine „nationale Schande“. Kritik musste Berlusconi auch von seinen eigenen Regierungskollegen hinnehmen. „Es stört mich, dass ein Premier und ein Unternehmer mit Leuten dieser Art verkehrt“, sagte der Minister der Lega Nord, Roberto Calderoli.


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