Der Papst soll für „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ büßen
Zwei US-Organisationen wollen den Papst und drei Kardinäle vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zerren. Der Vorwurf: „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Auch Österreicher sollen sich an der Klage beteiligen.
Den Haag – Die Klage ging am 13. September beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ein. 20.000 Seiten umfasst das Dokument, das der Klagschrift beigelegt ist und beweisen soll, dass vier Menschen in unzähligen Fällen für „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verantwortlich sein sollen.
Brisant ist das Quartett, das sich – nach dem Willen der Verfasser der Klagsschrift - in Den Haag vor Gericht verantworten sollen. Die Klage richtet sich gegen den Papst und drei Kardinäle.
„Verbrechen gegen Zehntausende von Opfern, die meisten von ihnen Kinder, sind von Verantwortlichen auf der höchsten Ebene des Vatikans gedeckt worden. In diesem Fall führen alle Wege wirklich nach Rom“, erklärte Anwältin Pamela Spees in einer Pressemitteilung. Sie vertritt die Bürgerrechtsbewegung „Center for Constitutional Rights“ (CCR) aus den USA, die gemeinsam mit dem „Survivors Network of those Abused by Priests“ (SNAP).
„Jeder Betroffene ist eingeladen“
„Wir als Betroffene schließen uns auf der ganzen Welt zusammen, und jeder Betroffene ist eingeladen, bei uns mitzumachen“, erklärt SNAP-Präsidentin Barbara Blaine den Umfang ihrer „Mission“.
Und tatsächlich: Betroffene aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien und den USA sind nach Den Haag gereist, um der Klage Nachdruck zu verleihen. Die Front der Kläger soll in den kommenen Wochen und Monaten breiter werden. Auch Österreicher werden eingeladen, sich mit ihren Schicksalen der Klage anzuschließen.
Dazu findet am 16. September in Wien eine Pressekonferenz statt. Barbara Blaine wird dabei sein, Missbrauchs-Betroffene, Katherine Gallagher, leitende Menschenrechts-Anwältin (Center for Constitutional Rights, USA), Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt sowie Niko Alm vom Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien.
Heftige Reaktionen
Italiens katholische Kreise reagieren heftig auf die Initiative. „Es handelt sich wieder einmal um eine Strategie gegen die Katholiken“, betonte der Erzbischof von Neapel, Kardinal Crescenzio Sepe am Mittwoch. Im Vatikan wird eine neue Attacke gegen den Papst kurz vor seiner Deutschland-Reise befürchtet. Schon Anfang September hatte der Vatikan die Vorwürfe der irischen Regierung zurückgewiesen, die Aufklärung von sexuellem Missbrauch zu behindern.
Neben dem Papst gehen die beiden Verbände auch gegen den vatikanischen Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone dessen Vorgänger Kardinal Angelo Sodano und gegen den derzeitigen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, vorgehen.
Der IStGH ist eigentlich für Fälle des Völkerstrafrechts wie etwa Völkermord oder Kriegsverbrechen zuständig.