EuroVolley-Nachhaltigkeit soll eine andere als 1999 sein

„Ziel war, Volleyball populär zu machen“, erkärte ÖVV-Präsident Kleinmann, der sich mit den Zuschauerzahlen zufrieden zeigte.

Wien – Mit einem rauschenden Finalfest ist am Sonntag die zweite in Österreich ausgetragene Volleyball-Herren-EM zu Ende gegangen. Serbien hat etwas überraschend den Titel geholt, für den Europameister-Empfang am (heutigen) Montagabend am Belgrader Rathausplatz wurden 100.000 Leute erwartet. Aus österreichischer Sicht endete der Titelkampf sportlich wie beim Heim-Titelkampf 1999 auf dem letzten Platz, die Nachhaltigkeit soll diesmal aber eine bessere sein.

In Innsbruck blieben Fans aus

„Am Samstag sind bei unserem Nachwuchs-Training 30 Kinder vor der Halle gestanden, die Volleyball spielen lernen wollten“, merkte Peter Kleinmann am Montag in seiner Bilanz-Pressekonferenz nach dem weltweit von 114 Fernseh-Stationen gezeigten Endspiel erfreut an. Auch bei anderen Vereine gebe es in diesem Bereich schon Auswirkungen. Die Begeisterung des Nachwuchses für seinen Sport war eines der wichtigsten Ziele des ÖVV-Präsidenten für die EuroVolley gewesen.

Viele Kinder und Jugendliche saßen speziell bei den ÖVV-EM-Spielen auch in der Halle, zu den 16 Spielen in der Wiener Stadthalle kamen insgesamt 59.300 Zuschauer (Schnitt: 4.236). Am Vorrunden-Spielort Innsbruck verzeichnete man lediglich 8.100 Besucher (1.350), an den beiden Österreich-Spielorten gesamt also 67.400. Bei Co-Ausrichter Tschechien waren in Karlovy Vary (Karlsbad) und Prag zusammen mit 16 um vier Spiele weniger als in Österreich, mit 71.232 Leuten (4.452) aber mehr Zuschauer.

„Manche haben EM nicht verstanden“

Angesichts der Gesamtzahl von 138.382 Fans war Kleinmann wie auch der Europa-Verband (CEV) zufrieden. „Wir hatten im Spiel gegen Serbien mit 6.800 so viele Fans wie noch nie bei einer Partie des österreichischen Nationalteams“, meinte Kleinmann. „Und die 9.500 Leute im Finale hat es in Österreich im Volleyball auch noch nicht gegeben.“ Wermutstropfen war aber die eher magere Besucherzahl bei den Österreichern, vielen schienen die Ticketpreise zu hoch zu sein.

Dass das auch auf viele Manager und Spieler heimischer Bundesliga-Clubs zutrifft, sieht Kleinmann als vertane Chance. Ein Teamspieler musste sogar im Viertelfinale nach dem ersten Satz die Halle verlassen, weil er zum Vereinstraining musste. „Die Leute in diesem Club haben die EM nicht verstanden“, sagte Kleinmann. „Das Ziel war auch nicht ein wirtschaftlicher Gewinn, sondern Volleyball populär zu machen, es in die Zimmer Österreichs zu bringen.“ Die TV-Übertragungen seien einmalig gewesen.

Für die ÖVV-Teampieler sei der durch die EM gegebene Impuls speziell wichtig. „Die Stars haben uns in unserem Wohnzimmer gezeigt, wie man Volleyball spielt“, fügte der seit Samstag 64-Jährige an. „Mit den hotVolleys war ich schon vor zehn Jahren auf diesem Niveau, nur waren da keine österreichischen Spieler zu sehen. Jetzt will ich auch mit dem Nationalteam dorthin.“ Teamchef Warm dazu: „Die Teamspieler sind die eigentlichen Volleyball-Botschafter, sie müssen es jetzt in ihre Clubs tragen.“

Der Vertrag mit dem Deutschen bis 2016 soll Kontinuität bringen, die Olympia-Qualifikation Ende November ist die nächste größere Aufgabe. Den ersten Schub erwartet sich Kleinmann aber durch die Qualifikation für die für Herbst 2013 angesetzte und an Polen und Dänemark vergebene nächste EM. Im Mai 2012 beginnt die Qualifikation, die Auslosung erfolgt Ende Oktober. Ob das ÖVV-Team erst in der Gruppenphase einsteigen darf oder eine Vorqualifikation spielen muss, ist noch nicht entschieden.

Auf das Niveau der Top-Teams fehlt in jedem Fall noch sehr viel. Die Serben haben es auch nach dem Team-Rücktritt von Star-Aufspieler Nikola Grbic geschafft, obenauf zu bleiben. Italien ist wieder mit dabei, wobei laut Kleinmann die ausgebliebenen italienischen Fans die Finalniederlage mitzuverantworten haben. Polen hat sich mit Bronze in der Elite etabliert und die Russen sind ihrer Favoritenstellung wieder nicht gerecht geworden. Seit der EM 1991 warten sie nun auf EM-, WM- oder Olympia-Gold. (APA)