Berlusconi wegen Mills-Prozess vor Gericht

Italiens Premier Berlusconi hat am Montag entgegen den Erwartungen an einer gegen ihn laufenden Gerichtsverhandlung im sogenannten Mills-Prozess teilgenommen. Berlusconi wird beschuldigt, dem britischen Anwalt David Mills im Jahr 1997 600.000 Dollar für Falschaussagen in Prozessen gegen sein Medienunternehmen Mediaset bezahlt zu haben.

„Mir geht es gut, aber Sie sehen schrecklich aus“, sagte Berlusconi auf die Frage der Journalisten, wie es ihm gehe. Am Wochenende waren neue peinliche Details zum Skandal um Callgirls und zwielichtige Geschäftsleute bekannt geworden, über die die Staatsanwaltschaft der Stadt Bari ermittelt. Aus abgehörten Telefongesprächen geht hervor, dass Berlusconi unter anderem über seine Liebeskünste prahlte. Über 40 junge Frauen sind in die Affäre verwickelt. Die Telefonate wurden 2009 im Zuge von Ermittlungen zu einer Prostitutionsaffäre abgehört.

Bei der Gerichtsverhandlung am Montag schaltete sich per Videokonferenz aus Bern die Managerin Maria De Fusco ein, Verwalterin eines Trusts, aus dem Berlusconi das Geld für Mills Bestechung genommen habe. Sie antwortete auf die Fragen der Ermittler. Staatsanwalt Fabio Di Pasquale rief das Gericht auf, die Verhandlungen in dem Fall zu beschleunigen, um eine Verjährung des Prozesses zu verhindern.

Um an der Gerichtsverhandlung teilzunehmen, sagte Berlusconi eine geplante Reise nach New York zur UNO-Generalversammlung ab und ließ sich von Außenminister Franco Frattini vertreten. Der Premier hatte sich am Wochenende geweigert, die neapolitanischen Staatsanwälte zu treffen, die in Zusammenhang mit einer heiklen Erpressungsaffäre rund um Berlusconi ermitteln.

Am 3. Oktober muss sich Berlusconi auch wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit einer minderjährigen Prostituierten - „Ruby“ - in einem Schnellverfahren verantworten, das im April begonnen hatte. Gegen Berlusconi läuft zudem ein Gerichtsverfahren in einer Affäre um seinen Medienkonzern Mediaset, das am Montag kommender Woche fortgesetzt werden soll.