Schwule und Lesben in der Army: „Das verändert das ganze Leben“
Bekennende Schwule und Lesben dürfen ab Dienstag offiziell Dienst bei den US-Streitkräften machen. Doch ein Ende der Diskriminierung ist damit noch nicht abzusehen.
Von David Crary
New York – 19 Jahre lang musste Cathy Cooper die Beziehung zu ihrer Lebenspartnerin geheim halten. Denn Coopers Freundin ist Hauptmann bei den US-Streitkräften. Mit dem Ende der als „don‘t ask, don‘t tell“-Richtlinie bekannt gewordenen Regelung und dem damit verbundenen Dienstverbot für Homosexuelle im Militär am (morgigen) Dienstag, kann sie aufatmen. „Das verändert das ganze Leben“, sagt Cooper. „Ich will atmen können, wissen, dass ich meine Partnerin am Arbeitsplatz anrufen kann und mich mit ihr unterhalten kann, ohne dass wir einen Code benutzen“, sagt sie.
Die 1993 eingeführte Regelung war nicht nur für die betroffenen Militärangehörigen eine enorme Belastung. Auch ihre nicht beim Militär arbeitenden Lebenspartner standen unter hohem Druck, die Beziehung geheim zu halten. Dass Cooper im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP darauf bestand, dass der Name ihrer Partnerin nicht genannt wird, gibt einen Eindruck davon, wie sehr ihr die Geheimniskrämerei zur zweiten Natur geworden ist. Cooper arbeitet für eine private Firma.
Als sie aus dem Mittleren Westen der USA an die Ostküste nach Virginia zog, um näher am Stützpunkt ihrer Partnerin zu leben, konnte sie das ihren Freunden kaum erklären. „Es war wirklich schwierig. Es hat uns wirklich isoliert“, sagt sie. „Ich wurde viel introvertierter und ausweichend.“
„Ich kenne keinen ihrer Kollegen“
Die Karriere ihrer Partnerin sei erfolgreich, auch wenn sie einen wichtigen Teil ihres Lebens verheimlichen muss, sagt Cooper. „Ich kenne keinen ihrer Kollegen“, sagt Cooper. Und ihre Freundin sagte, „du bist meine bessere Hälfte, und ich muss so tun, als ob du nicht existierst“. Im vergangenen Jahr führte die Gruppe Servicemembers United, die die Interessen von schwulen und lesbischen Militärangehörigen vertritt, eine Umfrage durch, was sich die Betroffenen von der Aufhebung der Richtlinie versprechen.
Einer der wichtigsten Punkte war, dass sie hofften, dass die Streitkräfte den gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern der Soldaten Ausweise ausstellen, damit sie auch ohne ihren Partner Zugang zu den Stützpunkten, Beratungsangeboten und anderen unterstützenden Dienstleistungen erhalten. Doch auch nach dem Ende von „don‘t ask, don‘t tell“ werden die gleichgeschlechtlichen Lebenspartner nicht dieselben Vergünstigungen erhalten, die das Pentagon heterosexuellen Paaren zukommen lässt - beispielsweise bei der medizinischen Versorgung oder Zuschüssen zu Reise-, Wohn- oder Umzugskosten.
Nach Angaben des Pentagons verbietet das 1996 erlassene Gesetz zum Schutz der Ehe, das eine Ehe als Partnerschaft zwischen Mann und Frau definiert, die Ausweitung der Zuschüsse auf gleichgeschlechtliche Paare. Selbst, wenn sie legal verheiratet sind.
Weiter rechtliche Einschränkungen für homosexuelle Paare
Gleichgeschlechtliche Partner können zwar als zu benachrichtigende Personen eingetragen werden, für den Fall, dass ein Soldat getötet oder verletzt wird. Aber nach aktuellem Stand der Dinge haben sie kein Anrecht darauf, die genaueren Todesumstände zu erfahren. Diesen Anspruch haben nur unmittelbare Verwandte.
Schwule und lesbische Paare werden nach Ansicht einiger Aktivisten so lange Bürger zweiter Klasse bleiben, wie das Gesetz zum Schutz der Ehe in Kraft ist. Derzeit sind mehrere Klagen gegen das Gesetz anhängig. Die Regierung von Präsident Barack Obama kündigte an, keine Anstrengungen zur Verteidigung des Gesetzes vor Gericht zu unternehmen.
Bis es jedoch gekippt ist, könnten die Streitkräfte allen Angehörigen – ob homo- oder heterosexuell – Anspruch auf die Vorteile einräumen, die auch nicht verheirateten Lebenspartnern zustehen. Cooper ist unsicher, wie die Militärgemeinde auf die Öffnung reagieren wird. Sie fragt sich, ob sie mit offenen Armen willkommen geheißen wird.
„Ich bin nicht so naiv, dass ich das wirklich glaube“, sagt sie. „Ich hoffe halt, dass die Tür offen ist.“ (David Crary ist Korrespondent der Nachrichtenagentur AP)
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