Weltpolitik

Neue libysche Führung geht von 25.000 Toten aus

Frankreichs Präsident Sarkozy forderte bei dem Treffen ein härteres Vorgehen der Weltgemeinschaft gegen undemokratische Regime.

Bei dem monatelangen Aufstand gegen den libyschen Ex-Machthaber Gaddafi kamen nach Angaben der neuen Führung des Landes mindestens 25.000 Menschen ums Leben. Rund 50.000 seien zudem verletzt worden, sagte der Chef des Nationalen Übergangsrates in Libyen, Mustafa Abdul Jalil, am Dienstag bei einem hochrangigen Treffen der „Freunde Libyens“ am Rande der UNO-Vollversammlung in New York.

Zugleich dankte er den Vereinten Nationen und den an der Militäraktion beteiligten Ländern für ihre Unterstützung. Diese Hilfe sei entscheidend gewesen „für den Sieg der libyschen Revolution“. Diejenigen Mitglieder der Gaddafi-Regierung, die vor Gericht gestellt würden, erhielten einen fairen Prozess, versicherte er.

Frankreichs Präsident Sarkozy forderte bei dem Treffen ein härteres Vorgehen der Weltgemeinschaft gegen undemokratische Regime. „Wir haben viel zu lange Diktatoren toleriert“, sagte Sarkozy in New York. „Alle Diktatoren auf der Welt sollen wissen, dass die internationale Gemeinschaft handeln wird.“

„Es darf kein neues Kambodscha, es darf kein neues Ruanda geben“, sagte Sarkozy in Anspielung auf das Regime der Roten Khmer und die Massaker an den Tutsis. Der Westen habe zu lange nicht handeln wollen. „Wir hatten Furcht und Furcht war für uns kein guter Ratgeber. Dabei haben uns die Osteuropäer gezeigt, dass jedes Regime besiegt werden kann.“

Unterdessen stärken immer mehr Staaten der neuen libyschen Führung den Rücken. US-Präsident Obama erklärte, USA würden ihre Botschaft in Tripolis noch diese Woche wiedereröffnen. Auch Bundespräsident Fischer kündigte in New York an, auch Österreich werde seine diplomatische Vertretung in der libyschen Hauptstadt in Kürze wieder aufnehmen.

Die Afrikanische Union nach monatelangem Zögern mit, sie werde den Übergangsrat als legitime Vertretung des libyschen Volkes anerkennen. Dies habe der Präsident von Äquatorialguinea, Nguema, beim internationalen Libyen-Treffen in New York erklärt, hieß es in einer vom Büro des südafrikanischen Präsidenten Zuma verbreiteten Mitteilung. Die AU werde dem libyschen Volk beim Wiederaufbau des Landes zur Seite stehen, hieß es weiter. Die zögernde Haltung der AU hatte zu einer Spaltung des afrikanischen Kontinents im Libyen-Konflikt geführt.