Taifun über Japan

Taifun „Roke“ trifft Japan mit voller Wucht - und bedrohte Fukushima

„Roke“ hat am Mittwoch das japanische Festland erreicht. Nun arbeite sich der Wirbelsturm in Richtung Tokio vor - und auch nach Fukushima.

Tokio – Erst ein Mega-Erdbeben und ein Jahrhundert-Tsunami, jetzt auch noch ein weiterer mörderischer Taifun: Die Japaner werden unablässig von Naturgewalten in Atem gehalten. Roke“ erreichte am Mittwochnachmittag das Festland mit voller Wucht. Der Taifun traf mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 160 Kilometer pro Stunde in der Nähe der Stadt Hamamatsu, rund 200 Kilometer westlich von Tokio, auf Land.

Mit mehr als 35 Kilometern in der Stunde zog der tropische Wirbelsturm unerbittlich auf Tokio zu. Er brachte Unmengen an Regen und heftige Sturmböen in die Hauptstadt. Der Zugverkehr kam zum Erliegen, Zehntausende Pendler saßen auf Bahnhöfen fest. Tausende Häuser und Straßen standen unter Wasser, Bäume stürzten um, der Verkehr wurde teils lahmgelegt und Tausende zur Flucht vor den Wassermassen gezwungen. In rund 536 000 Häusern in 17 Provinzen fiel laut Medien der Strom aus.

Vorbereitungen auf „Roke“ in Fukushima

Japanische Fernsehsender zeigten Bilder von überschwemmten Straßen und Häusern sowie bedrohlich angeschwollenen Flüssen. Zigtausende Menschen kämpften gegen die peitschenden Winde an. In dem auch bei ausländischen Touristen beliebten Tokioter Szene-Stadtteil Ginza stürzte ein großer Baum auf die Straße.

„Roke“ fegte auch über das Gebiet um das vom Erdbeben im März schwer getroffene Fukushima hinweg. Peitschende Sturmböen und enorme Regenfälle brachte der Taifun mit sich in die Region. Sämtliche Arbeiten am havarierten Atomkraftwerk wurden laut Betreiber Tepco bereits vorher eingestellt. „Wir haben alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch. Lose Kabel und Schläuche seien befestigt und Planen über die beschädigten Gebäude gezogen worden.

Die Bemühungen seien darauf ausgerichtet zu verhindern, dass radioaktive Strahlung durch die starken Winde aufgewirbelt werde oder Regenwasser in die zerstörten Reaktoren eindringe. Angesichts der nach dem verheerenden Tsunami vom März errichteten Schutzwälle gegen Sturmfluten wurde die Anlage nicht zusätzlich mit Sandsäcken gesichert.

Tausende Japaner auf der Flucht

Die Behörden haben die Bevölkerung der größten Insel Honshu vor Überschwemmungen, Sturmböen und Erdrutschen gewarnt. „Wir fordern alle Bewohner zu höchster Wachsamkeit auf“, sagte Kabinettssekretär Osama Fujimura.

Rund eine Millionen Japan wurden bereits am Dienstag aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Rund 4700 Menschen bekamen landesweit von den Behörden die Anweisung, ihre Häuser zu verlassen. In Teilen Japans ist der Verkehr zusammengebrochen. Hunderte Inlandsflüge wurden gestrichen, mehrere Autobahnen gesperrt und Zugverbindungen unterbrochen.

Wegen der Zugausfälle drängten sich in Millionenstädten wie Tokio die Menschen in den Bahnhöfen und Zügen noch mehr als sonst. Viele Unternehmen schickten ihre Mitarbeiter bereits am Nachmittag nach Hause - äußerst ungewöhnlich in dem für seine besonders langen Arbeitstage bekannten Hochtechnologieland.

Auch der Autohersteller Toyota reagierte auf den herannahenden Sturm. In elf der 15 Werke wird die Arbeit vorübergehend eingestellt. Wann die Produktion wieder anlaufen wird, ist noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher des Autobauers.

Mindestens sechs Todesopfer

Mit welcher Wucht „Roke“ wüten könnte, zeigen bereits seine ersten Ausläufer. Mindestens sechs Menschen verloren ihr Leben. Einige der Opfer wurden laut Medienberichten von angeschwollenen Flüssen fortgerissen. In der Industriestadt Nagoya fiel ein 66-Jähriger vom Dach eines Hauses, als er eine Dachrinne von Trümmerteilen befreien wollte. In der Provinz Saga wurde ein 71-Jähriger über Bord seines Fischerbootes gerissen, als er es bei den starken Stürmen festmachen wollte. Zwei weiter Menschen werden noch vermisst - darunter ein Bub, der auf dem Heimweg von der Schule war.

Es ist der zweite schwere Sturm über Japan iinnerhalb eines Monats: Anfang September hatte der Taifun „Talas“ eine Spur der Verwüstung gezogen. Rund 100 Menschen kamen im Westen des Landes ums Leben. (tt.com, dpa, APA/AFP)