Weltpolitik

Libanon: „Syrien ist Zielscheibe westlicher Medienhetze“

Der libanesische Kulturminister bezeichnet die Situation im Nachbarland Syrien als „instabil“.

Algier – Syrien sei zu einer Zielscheibe systematischer westlicher Medienattacken geworden, bedauerte der libanesische Kulturminister Gaby Lyoune am Donnerstag in Algier, wo sein Land Ehrengast des diesjährigen „Internationalen Salons des Buches“ ist. Der Libanon unterstütze grundsätzlich das Streben der Völker nach Freiheit, Demokratie und Reformen, solange es „von innen“ komme, „andernfalls handelt es sich um ein Komplott“, sagte der Politiker. Das Thema des einwöchigen Buch-Salons lautet: „Die arabische Welt im Umbruch - Revolten oder Revolutionen?“

Lyoune bezeichnete die Situation in Syrien als „instabil“. Man könne sich noch kein genaues Bild von den Vorgängen in seinem Nachbarland machen. Die Unruhen in Syrien haben auch im Libanon schwere Auseinandersetzungen zur Folge. Vor allem in Tripolis, der zweitgrößten libanesischen Stadt, war es nach der Auslieferung syrischer islamistischer Flüchtlinge an Syrien zu Zusammenstößen zwischen Sunniten und pro-syrischen Alawiten gekommen. Die libanesische Armee hatte nach Angaben von Menschenrechtsgruppen auch geflüchtete syrische Soldaten ausgeliefert, die sich geweigert haben sollen, auf Demonstranten zu schießen.

Syrischer Truppenabzug nach Hariri-Mord 2005

Syrien hatte seine Truppen 2005 nach 29-jähriger Präsenz aus dem Libanon abgezogen, nachdem es dort zur „Zedernrevolution“ gekommen war. Diese war durch den Mord an dem libanesischen Spitzenpolitiker und Ex-Premier Rafik Hariri ausgelöst worden, für den ursprünglich syrische Geheimdienstkreise als Drahtzieher verantwortlich gemacht worden waren. Dem Terroranschlag in Beirut waren neben Hariri 22 weitere Personen zum Opfer gefallen. Das von den Vereinten Nationen eingesetzte Sondertribunal zur Aufklärung des Hariri-Mordes hat mittlerweile gegen vier Mitglieder der schiitischen Hisbollah Anklage erhoben.

Seit 1991 besteht ein Freundschafts- und Beistandspakt zwischen Damaskus und Beirut, dessen Überarbeitung von den syrienkritischen Kräften im Libanon immer wieder gefordert wird. Auch das Schicksal von rund tausend verschwundenen Libanesen, die in syrischer Haft vermutet werden, wartet auf Aufklärung.

Der maronitische Patriarch Bechara Boutros Rai hatte in Frankreich die an den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad gerichteten Rücktrittsaufforderungen vehement zurückgewiesen. Ein Zusammenbruch des Baath-Regimes in Damaskus würde die christlichen Minderheiten im Nahen Osten einer großen Gefahr aussetzen, warnte das Oberhaupt der mit Rom unierten größten christlichen Kirche im Libanon anlässlich seines Besuchs bei der französischen Bischofskonferenz im Lourdes. Die syrischen Christen und andere Minderheiten befürchten blutige Verfolgung wie im Irak nach der US-Militärintervention und dem Sturz Saddam Husseins. (APA)