Griechenland pleite gehen lassen, den „Teufelskreis“ durchbrechen
„Es wird Zeit, das Undenkbare zu denken“, schreibt George Soros in einem Kommentar in der Financial Times. Und tatsächlich scheint das „Undenkbare“ täglich erwartbarer zu werden.
New York – Wieder ein Warnsignal von den internationalen Märkten. Die Ratingagentur Moody‘s hat die Kreditwürdigkeit von acht griechischen Banken um zwei Stufen herabgesetzt. Die Nationalbank von Griechenland, EFG Eurobank Ergasias, Alpha Bank, Piräus Bank, Landwirtschaftsbank von Griechenland und Attika-Bank wurden von B3 auf CAA2 abgewertet. Emporiki Bank und General Bank wurden von B1 auf B3 herabgestuft, wie Moody‘s am Freitag mitteilte. Eine Entspannung der Schuldenkrise ist damit wohl noch weiter in die Ferne gerückt.
Die griechischen Banken müssen nach Ansicht der EU-Taskforce für das Land zwar nicht verstaatlicht werden. Die Institute hätten bis zum Ausbruch der Schuldenkrise grundsolide gewirtschaftet, sagte Taskforce-Chef Horst Reichenbach dem „Handelsblatt“ in der Freitag-Ausgabe. „Daher sehe ich keinen Grund für eine Verstaatlichung.“
Doch selbst der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hält Medienberichten zufolge dieser Tage eine geordnete Insolvenz mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent für Gläubiger als ein Szenario für sein Land für durchaus realistisch.
„GAU wird kommen“
In den Worten von George Soros hört sich das derzeit so an: „Der finanzpolitische GAU wird kommen“, kündigt er in einem Kommentar in der „Financial Times Deutschland“ an. „Es wird Zeit, das Undenkbare zu denken und sich darauf einzustellen: auf die Pleite von Griechenland, Portugal, vielleicht sogar von Irland. Nötig ist eine grundlegende Reform der Euro-Zone“, leitet er ein und stellt fest: „Um eine Krise beizulegen, in der das Unmögliche möglich geworden ist, muss man das Undenkbare denken.“
In einer geordneten Insolvenz sieht der Wirtschaftsexperte durchaus Chancen. Sie würde „den Teufelskreis durchbrechen, der jetzt alle Defizitländer der Euro-Zone bedroht und bei dem die Sparpolitik der Regierungen die Wachstumsaussichten reduziert“.
Mehr „Wagemut“ forderten nun auch die aufstrebenden Staaten der BRICS-Gruppe. Die Eurozone müsse „schnell und wagemutig“ handeln, sagte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega am Donnerstag. Sonst drohe die Gefahr eine „großen Krise“, auch für Entwicklungs- und Schwellenländer. „Aber wir können sie vermeiden, solange nur zügig gehandelt wird“, sagte der Minister weiter. Mit jedem Tag werde die Krise teurer und komplizierter zu lösen.
IWF und Weltbank fordern Taten
Der Internationaler Währungsfonds (IWF) und die Weltbank schließlich haben die Politik zu entschlossenem Handeln im Kampf gegen die aktuellen Krisen ermahnt, um weiteren Schaden für die Weltwirtschaft abzuwenden.
Die neue IWF-Chefin Christine Lagarde betonte am Donnerstag, Lösungen für die Euro-Schuldenkrise seien vorhanden und bekannt, „nötig ist politische Führung“.
Unter dem Eindruck der Schuldenkrise in der Euro-Zone hat die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer gemeinsame Anstrengungen zugesichert.
Durch Turbulenzen an den Finanzmärkten, schwaches Wachstum und hohe Arbeitslosigkeit gebe es ein Risiko, dass sich die Lage noch weiter verschlechtere, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die am Donnerstag (Ortszeit) von den Finanzministern und den Zentralbankchefs der G-20-Staaten in Washington veröffentlicht wurde. Den Herausforderungen für die Weltwirtschaft wolle die Gruppe mit einer „starken und koordinierten internationalen Antwort“ begegnen.
Doch Worte hat es in der aktuellen Krise bereits viele gegeben. Die Börsen – als Fieberthermometer des Gesundheitszustandes der Weltwirtschaft – haben zuletzt heftigst reagiert. Die Alarmsignale sind deutlich. Die Konsequenzen eines Handelns, gerade in Europa, beschreibt Soros so: „Alle Mitglieder der Europäischen Union und nicht nur die Euro-Länder müssen akzeptieren, dass ein neuer Vertrag notwendig ist, um den Euro zu retten.“ (tt.com, APA, dpa)
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