Weltpolitik

Berlusconi droht Ermittlung wegen Erpressungsfall

Dem italienischen Premier Berlusconi droht eine neue Untersuchung in Zusammenhang mit dem Skandal um Callgirls. Bisher galt Berlusconi als O...

Dem italienischen Premier Berlusconi droht eine neue Untersuchung in Zusammenhang mit dem Skandal um Callgirls. Bisher galt Berlusconi als Opfer einer Erpressung seitens des skandalumwitterten Unternehmers Giampaolo Tarantini. Die neapolitanischen Staatsanwälte vermuten jedoch, dass der Premier Tarantini zu Falschaussagen vor der Justiz bewogen habe, um die Ermittlungen irre zu führen.

Sollte der Verdacht bestätigt werden, droht Berlusconi eine weitere Untersuchung, berichtete die römische Tageszeitung „La Repubblica“ am Samstag. Tarantini wird beschuldigt, vom Premier 850.000 Euro für sein Schweigen über die Beziehungen zwischen dem Regierungschef und den Callgirls, die er dem Regierungschef für seine ausschweifende Partys vermittelte, erpresst zu haben.

Die Staatsanwälte Neapels glauben dem Verteidigungsdossier Berlusconis nicht, in dem er behauptet, Tarantini freiwillig 850.000 Euro geschenkt zu haben, um ihm in einer schwierigen finanziellen Situation zu helfen. Berlusconi hatte vergangene Woche den Justizbehörden ein fünfseitiges Dossier vorgelegt, in dem er bestreitet, Opfer einer Erpressungsaffäre zu sein. Der Premier hatte sich nach Vorlage seines Memorandums zu einem Treffen mit den Staatsanwälten geweigert.

Die Ermittler vermuten, dass sich Tarantini mit der Vermittlung attraktiver Frauen politische Begünstigungen für seine Geschäfte im Gesundheitsbereich sichern wollte. Tarantini war Inhaber einer Gesellschaft, die auf Dienstleistungen im Gesundheitswesen spezialisiert ist. Seit dem 1. September befindet er sich in Neapel in Untersuchungshaft.

Auch im Parlament tun sich für die Mitte-Rechts-Koalition von Berlusconi neue Hürden auf: Die Abgeordnetenkammer muss am kommenden Mittwoch über einen Misstrauensantrag gegen Landwirtschaftsminister Saverio Romano stimmen, den die Oppositionsparteien eingereicht haben.

Damit hoffen die Mitte-Links-Gruppierungen, den Minister, gegen den Ermittlungen wegen Mafia-Verstrickungen laufen, zum Rücktritt zu zwingen. Gegen den Minister beantragte die Staatsanwaltschaft von Palermo einen Prozess. Sollten die Untersuchungsrichter auf Sizilien die Eröffnung eines Verfahrens beschließen, könnte es für Romano schwierig werden, im Amt zu bleiben.