Tanz, Gesang und die Sonne in „Cesena“
Mit der klaren, strengen, aber sehr stimmungsvollen Aufführung von „Cesena“ ist Freitagabend in Graz der „steirische herbst 2011“ eröffnet worden. Die belgische Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker ließ dabei die Tänzer zu den Klängen von Björn Schmelzers Vokal-Ensemble immer neue Formen von Schmerz, Suche und letztlich Hoffnung finden.
Die Aufführung wurde für die Helmut-List-Halle neu konzipiert und erstmals in einem geschlossenen Raum gezeigt. Anne Teresa De Keersmaeker hatte heuer im Juli in Avignon ihr neuestes Werk „Cesena“ präsentiert. Der Aufführungsort war kein Zufall, bildet doch das Massaker gegen die Bürger von Cesena im Auftrag des spätere Papstes Clemens VII., der als Gegenpapst in Avignon residierte, den Hintergrund des Tanzstückes.
Die Aufführung beginnt in fast völliger Dunkelheit, ein Ring aus Sand, den die Tänzer des Ensembles „Rosas“ durch ihre Bewegungen verwischen und dabei neue Formen entstehen lassen, ist auf der Bühne erkennbar. Einzelne Figuren erscheinen, dann wieder Gruppen, im diffusen Licht lässt sich manches nur erahnen. Eckige Bewegungen, ein sich Aufbäumen, Wegrennen, wieder Zusammenfinden.
Alles passiert vor dem strengen Klangteppich einer Musik aus dem 14. Jahrhundert, die das Vokal-Ensemble graindelavoix, gegründet und geleitet von Björn Schmelzer, gekonnt zu Gehör bringt. Dabei verwischen sich die Grenzen zwischen den Tänzern und den Sängern immer mehr, in dem Licht und dem Wirbel der Bewegungen lässt sich der Unterschied manchmal kaum noch ausmachen.
In zunehmender Helligkeit wird auch die Verzweiflung sichtbar, gleichzeitig die Musik immer stärker. Gegen Ende verbreitet sich nicht nur Helligkeit, sondern geradezu goldenes Licht, und zwar nicht nur auf der Bühne, sondern auch über den Zuschauerbereich. Es hat fast den Eindruck, als könne das Publikum teilhaben an jener Hoffnung, die sich zuletzt doch noch ausbreitet.
Das Publikum, das am Ende noch anwesend war - einige hatten offenbar Probleme mit Dunkelheit und ruhigen Momenten und verließen im Schein ihrer Handys die Halle - zeigte sich von der stimmungsvollen Performance begeistert.
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