Libyens neue Machthaber kämpfen um Sirte
Die bewaffneten Kräfte der neuen libyschen Machthaber sind am Wochenende erstmals in die Innenstadt von Sirte vorgedrungen, eine der letzten Bastionen der Getreuen des untergetauchten Ex-Diktators Gaddafi. Dort hätten sie sich schwere Gefechte mit den Gaddafi-Truppen geliefert, um sich dann wieder „taktisch“ zurückzuziehen, berichteten arabische Fernsehsender am Sonntag.
Die Milizen belagern die Mittelmeerstadt 410 Kilometer östlich von Tripolis, in der Gaddafi geboren wurde, seit mehr als drei Wochen. Den Vorstößen waren am Samstag verstärkte Artillerieangriffe auf die Gaddafi-Stellungen in der Stadt vorausgegangen. Kampfflugzeuge der NATO zerstörten nach Angaben des Bündnisses ein Munitionslager, eine Flugabwehrkanone, eine Kommandozentrale und zwei bewaffnete Fahrzeuge der Gaddafi-Truppen. Sirte und Bani Walid sind die letzten größeren Städte, in denen sich noch Pro-Gaddafi-Streitkräfte verschanzt halten.
Die Lage der Zivilbevölkerung wird immer unerträglicher, die in Sirte der Willkür der Gaddafi-Soldaten ausgeliefert ist. Unter Berufung auf Geheimdienste und Augenzeugen berichtete die NATO von Exekutionen, Geiselnahmen und gezielten Angriffen auf Einzelpersonen und Familien. Hunderte von Familien könnten wegen der Unsicherheit und des Mangels an Benzin die Stadt nicht verlassen. Zivilisten erhielten kein Wasser, keine Medikamente und auch keine Lebensmittel. Söldner machten die Straßen unsicher.
Gaddafi selbst ist indes nach Angaben seiner Tochter in bester Stimmung und zum Kampf entschlossen. In einer am Samstag von dem syrischen Sender Al-Rai übertragenen Rundfunkbotschaft sagte Aisha al-Gaddafi, ihr Vater kämpfe an der Seite der „revolutionären Kräfte“. Die neue Führung in Libyen bezeichnete sie als „Verräter“. Die 1977 geborene ausgebildete Juristin gehörte zum Verteidigerteam des hingerichteten irakischen Ex-Staatschefs Saddam Hussein.
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