Innenpolitik

Pröll kontert: „Hüftschuss kann auch ins Schwarze treffen“

Erwin Pröll betont, dass sein Vorstoß zur Reichensteuer nicht unüberlegt war. Finanzministerin Fekter hatte seine Idee als „Hüftschuss“ bezeichnet.

Wien – Die Regierung sucht weiter nach einem gemeinsamen Steuerkonzept. Auch der jüngste Vorstoß des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll (V), Reichen vorübergehend eine höhere Einkommenssteuer abzuverlangen, hat keinen Durchbruch gebracht.

Kanzler Werner Faymann (S) sähe solch ein Konzept nämlich nur als „ergänzende“ Maßnahme zu den Substanzsteuerplänen der SPÖ. Bis Jahresende soll die koalitionäre Arbeitsgruppe ungeachtet dessen erste Ergebnisse präsentieren.

Vizekanzler Spindelegger spielte die parteiinterne Debatte über den Pröll-Vorschlag herunter. Nötig sei jetzt einmal ein Gesamtkonzept, im Rahmen dessen die Solidarabgabe der Gutverdiener eine Facette sein könne.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) warnte am Dienstag ausdrücklich davor, „Einzelvorschläge“ öffentlich zu diskutieren. Dadurch entstehe ein falscher Eindruck, nämlich dass die ÖVP Steuern erhöhen wolle.

Pröll: „Keine Einzelmeinung“

Finanzministerin Maria Fekter (V) hatte Montagabend zum Pröll-Vorstoß eher despektierlich gemeint, dieser sei „so ein Hüftschuss“ gewesen. Der niederösterreichische Landeshauptmann zückte in seiner Replik am Dienstag neuerlich den rhetorischen Colt: „Wenn einer aus der Hüfte schießt und ein geübter Schütze ist, dann kann er auch ins Schwarze treffen.“

Es mache keinen Sinn, wenn die ÖVP sich als Verteidigerin der Superreichen darstelle. Eine „Einzelmeinung“, wie dies Spindelegger Montagabend gemeint hatte, sei seine Position jedenfalls nicht.

Ganz im Gegenteil soll der Vorschlag der Solidarabgabe sogar vom Parteiobmann persönlich gekommen sein. Vor gut zwei Wochen hatte er in der „Pressestunde“ bereits eine entsprechende Andeutung gemacht und nun berichtet der steirische ÖVP-Obmann Schützenhöfer in der „Presse“, dass die Idee „einige Tage davor von Parteichef Michael Spindelegger geboren worden ist“.

Bünde sträuben sich

Während die Länder folgerichtig die Abgabe bisher positiv bewerten, kommt Widerstand aus dem zweiten Machtzentrum der Volkspartei, den Bünden. Wirtschafts- und Bauernbund lehnten die Solidarabgabe explizit ab, der Seniorenbund hat auch keine Freude damit und selbst ÖAAB-Obfrau Johanna Mikl-Leitner reagierte zurückhaltend.

Ein gemeinsames Koalitionspapier zu erstellen, dürfte damit eher schwierig werden. Denn die SPÖ will von ihrer Vermögenssteuer auf die Substanz weiter nicht abrücken. Kanzler Faymann geht davon aus, dass insbesondere die Wertsteigerung von Grundstücken über eine Mio. Euro eine Rolle in der Diskussion einer vermögensbezogenen Steuer spielen müsse, „um auch tatsächlich relevante Einnahmen zustande zu bringen“.

0,15 Prozent verdienen mehr als 200.000 Euro

Tatsächlich würde die Solidarabgabe der Reichen wohl nicht allzu viel Geld in die Staatskasse spülen. Von insgesamt rund 6,246.000 unselbstständig Beschäftigten inklusive Pensionisten verdienen lediglich etwas mehr als 9.000 Personen oder 0,15 Prozent mehr als 200.000 Euro brutto im Jahr, eine kolportierte mögliche Grenze, ab der die Reichensteuer ansetzen könnte. (red, APA)