Moody‘s senkt Daumen über Italien: Berlusconi nimmt es gelassen

Nach der Herabstufung der Bonität durch die Ratingagentur Standard & Poor‘s im September senkt auch Moody‘s seinen Daumen über Italien. Die Kreditwürdigkeit wurde gleich um drei Stufen herabgestuft. Berlusconi nimmt es gelassen.

New York/Rom/Frankfurt - Italien verliert weiter an Vertrauen bei den internationalen Ratingagenturen. Moody‘s senkte die Bonitätsnoten für lang laufende italienische Staatsanleihen gleich um drei Stufen von Aa2 auf A2. Außerdem deutete das Unternehmen an, dass weitere Herabstufungen drohen könnten, denn der Ausblick sei negativ, hieß es am Dienstag. Auch anderen Ländern der Euro-Zone drohen der Agentur zufolge weitere Herabstufungen. Als Gründe für die Verschlechterung wurden die hohe Staatsverschuldung, die schwache Weltwirtschaft und die politische Uneinigkeit in Italien angeführt, die koordinierte Maßnahmen verzögere. Doch auch wenn die italienischen Schuldenpapiere um drei Stufen herabgesetzt wurden, gelten sie noch immer als sichere Anlagen.

Berlusconi bleibt gelassen

Der Euro hat sich am Mittwoch von der Herabstufung Italiens kaum beeindruckt gezeigt. In der Früh kostete die Gemeinschaftswährung 1,3320 US-Dollar und damit sogar etwas mehr als am Vorabend. Ein Dollar war damit zuletzt 0,7508 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs Dienstagmittag auf 1,3181 (Montag: 1,3327) Dollar festgesetzt.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi versuchte die Herabstufung zu beschwichtigen: Die Herabstufung sei erwartet worden. Die Regierung arbeite „mit höchstem Einsatz“ daran, die von der EU-Kommission abgesegneten Budgetziele zu erreichen.

Opposition verlangt Rücktritt Berlusconis

Die italienischen Pläne zur Bekämpfung der Schulden- und Wirtschaftskrise seien von der EU-Kommission gut aufgenommen und akzeptiert worden, argumentiert die Mitte-Rechts-Regierung in Rom. Die linke Opposition aber sprach von einem Schlag, wobei Italien besser sei als dieses Rating: „Wenn es aber keinen Wandel gibt, dann besteht die Gefahr, dass das Misstrauen uns auf den Boden zieht“, sagte Oppositionsführer Pierluigi Bersani. Die Opposition verlangt seit langem den Rücktritt Berlusconis, um einen Neuanfang zu machen.

Dies ist der nächste Rückschlag für die Regierung in Italien, denn erst im September hatte die Ratingagentur Standard & Poor‘s die Kreditwürdigkeit Italiens von „A+“ auf „A“ herabgestuft. Berlusconi protestierte damals noch angesichts von Milliarden-Sparpaketen scharf. Die Bewertung scheine mehr von Medienberichten als von der Realität diktiert worden zu sein.

Als Grund verwies S&P auf pessimistischere Prognosen für das italienische Wirtschaftswachstum. Der Ausblick sei „negativ“, teilte S&P damals mit. „Die Herabstufung spiegelt unserer Meinung nach die schlechter werdenden Wachstumsaussichten für Italiens Wirtschaft wider“, begründete S&P den Schritt. Die zuletzt verabschiedeten Reformen reichten nicht aus, um gegenzusteuern. Der Regierung Berlusconi bescheinigte S&P eine mangelnde Handlungsfähigkeit.

Nächster Kandidat Portugal?

Die Ratingagentur Standard & Poor‘s hat am Dienstag das Rating für Portugal bestätigt - mit negativem Ausblick. Die Regierung bemühe sich redlich, das EU/IWF-Programms umzusetzen, sie sollte auch in etwa die Budgetziele des Programms erreichen, wenn sie zusätzliche Sparmaßnahmen implementiere. S&P bewertet Portugal derzeit mit „BBB/A-3“.

Die portugiesische Wirtschaft werde in naher Zukunft aber wahrscheinlich stärker schrumpfen als bisher angenommen. Die hohe Verschuldung des Staates und des privaten Sektors, gemeinsam mit schwacher externe Liquidität und hohen externen Schulden, seien Einschränkungen.

Die Staatsverschuldung werde 2013 mit 106 Prozent des BIP den Höhepunkt erreichen. Erwartet wird weitere Unterstützung bei der Refinanzierung. Den negativen Ausblick begründen die Rating-Experten mit den anhaltenden Risiken bei der Umsetzung des EU/IWF-Programms.

Italien sitzt auf Schuldenberg

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Das entspricht 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung - daran gemessen ist nur Griechenland in der Euro-Zone höher verschuldet.

Für dieses Jahr erwartet die Regierung in Rom ein Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen. Für 2013 wird ein ausgeglichenes Budget angepeilt. Die enormen Schulden haben Italien ins Visier der Finanzmärkte gerückt: Das Land muss Anlegern historisch hohe Zinsen zahlen.

Im Hinblick auf die gesamten Euro-Zone erklärte Moody‘s, der Druck auf die Bonitäten der Länder habe seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Mit Ausnahme der finanzkräftigsten Schuldner würden voraussichtlich alle Länder einen anhaltenden negativen Druck auf ihre Ratings verspüren. Derzeit jedoch gebe es noch keine unmittelbare Gefahr für Länder mit der Bestnote „AAA“ - zu ihnen zählt auch Österreich.

DAX zeigt sich unbeeindruckt

Nach dem schwachen Abschneiden am Vortag sind die deutschen Börsen am Mittwoch mit deutlichen Gewinnen in den Handel gegangen. Dabei zeigte sich etwa der DAX auch von der Herabstufung der Bonität Italiens unbeeindruckt. Bis gegen 9.15 Uhr legte der deutsche Aktien-Leitindex 1,8 Prozent auf 5.309 Punkte zu. Der Nebenwerte-Index MDAX verbesserte sich um 1,7 Prozent auf 7.913 Zähler, der TecDAX gewann 1,8 Prozent auf 638 Punkte. Dabei profitierten die Händler in Frankfurt von positiven Vorgaben aus New York. Dort hatte der Dow-Jones-Index in der Nacht mit einem Gewinn von 1,4 Prozent bei 10.809 Punkten geschlossen. Der Nasdaq hatte drei Prozent auf 2.405 Zähler zugelegt.

Größter Gewinner im DAX waren am Morgen Aktien der Deutschen Bank. Einen Tag nachdem das größte heimische Kreditinstitut bekanntgegeben hatte, seine Gewinnziele im laufenden Jahr nicht mehr erreichen zu können, erholten sich die Papiere und legten um 5,3 Prozent auf 25,94 Euro zu. (tt.com/APA/Reuters/dpa/dapd)


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