Ein Signal gegen die Unterdrückung von Frauen in aller Welt

Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf sowie die Frauenrechtlerinnen Leymah Gbowee und Tawakkul Karman wurden mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Oslo – Drei Vorkämpferinnen für Frauenrechte und Frieden in Afrika und Arabien teilen sich heuer den Friedensnobelpreis. Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (72), ihre Landsfrau und Friedensaktivistin Leymah Gbowee (39) sowie die Jemenitin Tawakkul Karman (32) erhielten die Auszeichnung zu gleichen Teilen für ihren Einsatz zur Stärkung der Rolle der Frau gerade in Entwicklungsländern.

„Wir können Demokratie und dauerhaften Frieden in dieser Welt nicht erreichen, wenn Frauen nicht die gleichen Chancen wie Männer bekommen, die Entwicklung auf allen Ebenen der Gesellschaft zu beeinflussen“, erklärte der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, am Freitag in Oslo.

Die Ehrung werde hoffentlich helfen, „die Unterdrückung von Frauen zu beenden, die immer noch in vielen Ländern stattfindet, und sich des großen Potenzials bewusst zu werden, das Frauen für Demokratie und Frauen bedeuten“.

Unermüdliche Kämpferinnen

Johnson-Sirleaf ist die erste demokratisch gewählte Präsidentin eines afrikanischen Staates und stellt sich kommende Woche der Wiederwahl. Gbowee setzte sie sich für ein Ende des Bürgerkriegs in Liberia ein und organisierte dafür unter anderem einen Sex-Streik. Sie mobilisierte und organisierte die Liberianerinnen über ethnische und religiöse Grenzen hinweg und kämpfte für das volle Wahlrecht der Frauen.

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Tawakkul Karman spielte vor und während des arabischen Frühlings im Jemen unter schwierigsten Bedingungen eine führende Rolle im Kampf für Demokratie und Frieden. „Sie ist schon aufgestanden und hat Mut gezeigt, als der ‚Arabische Frühling‘ noch in weiter Ferne lag“, sagte Jagland.

Karman widmet Preis „Aktivisten des Arabischen Frühlings“

„Ich widme diesen Preis den Aktivisten des Arabischen Frühlings“, sagte Karman in einer ersten Reaktion. Sie sprach von einem Sieg für die Protestbewegung im Jemen.

Trotz massiver Gewalt der Truppen des seit 33 Jahren herrschenden Präsidenten Ali Abdullah Saleh gehen dort seit acht Monaten Demonstranten für einen Machtwechsel und eine Demokratisierung des Landes auf die Straße. Bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Opposition wurden in den vergangenen Wochen mehr als 100 Menschen getötet.

Protagonisten des „Arabischen Frühlings“ hatten im Vorfeld der diesjährigen Preisverleihung als Favoriten gegolten, unter ihnen die ägyptischen Internet-Aktivistinnen Asmaa Mahfus und Israa Abdel Fatah von der Bewegung 6. April sowie die tunesische Bloggerin Lina Ben Mhenni. Auch über eine Ehrung der afghanischen Frauenrechtlerin Sima Samar oder des internationalen Kriegsverbrechertribunals in Den Haag war spekuliert worden.

„Riesige Überraschung“ für Johnson-Sirleaf

Johnson-Sirleaf bezeichnete die Auszeichnung als „riesige Überraschung“. „Ich habe nie geglaubt, dass ich diesen Preis bekommen würde. Es gibt so viele Menschen, die ihn verdient haben“, sagte sie dem norwegischen Rundfunk. „Für mich ist er die Anerkennung für sehr viele Jahre voller Kampf.“

Der Preis sei auch „wunderbarer Ausdruck für die Hoffnung auf ein neues Liberia.“ Über Gbowee sagte die Präsidentin: „Viel von der Ehre dieses Preises gehört ihr und den anderen liberianischen Frauen, die die Diktatur herausgefordert haben.“

EU gratuliert

Glückwünsche an die drei Preisträgerinnen kamen von der Europäischen Union. „Das ist ein Sieg für ein neues demokratisches Afrika und für eine neue demokratische arabische Welt, die in Frieden und im Respekt für die Menschenrechte leben“, betonten EU-Ratspräsident Hermann Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Freitag in Brüssel.

Der Generalsekretär von Amnesty International, John Peder Egenaes, sprach von einem „Sieg“ und einer Anerkennung der wichtigen Rolle von Frauen in Friedensprozessen. Der Preis sei auch eine Mahnung an jene, die mit den Taliban in Afghanistan verhandelten.

Zeichen Richtung Afrika und Arabien

Mit seiner Auszeichnung setzt das Nobelkomitee auch ein Zeichen in Richtung Afrika und Arabien. Sieht man von den UNO-Diplomaten Kofi Annan (Ghana) und Mohamed ElBaradei (Ägypten) ab, waren bisher erst sieben Personen aus diesen beiden Weltregionen geehrt worden.

Erst elf Mal gingen Friedensnobelpreise an Frauen, wobei die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner im Jahr 1905 die erste weibliche Preisträgerin war und die kürzlich verstorbene kenianische Umweltaktivistin Wangari Maathai (2004) die jüngste.

Im vergangenen Jahr hatte der inhaftierte chinesische Dissident Liu Xiaobo den mit rund 1,1 Millionen Euro dotierten Preis erhalten. Preisträger vor ihm war US-Präsident Barack Obama. Für beide Entscheidungen musste sich das Nobelkomitee viel internationale Kritik gefallen lassen, die Ehrung Lius wurde von mehreren Staaten boykottiert. (red, APA/Reuters/dpa)


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