Wut auf Finanzsystem: Proteste auch in deutschen Städten geplant

Die „Occupy Wall Street“-Bewegung schwappt nach Deutschland über. In Städten wie Frankfurt, Berlin oder Köln sollen am 15. Oktober Demonstrationen stattfinden.

Berlin – Mittels Twitter, Facebook und Youtube verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Am 15. Oktober wird in den großen Städten Deutschlands, nach dem Vorbild der „Occupy Wall Street“-Bewegung gegen das Finanzsystem, soziale Ungerechtigkeit und andere Missstände protestiert, die durch Kapitalismus und Geldgier hervorgerufen wurden.

Aufrufe durch Anonymous

Tausende solidarisieren sich auf sozialen Netzwerken im Internet mit der Bewegung. Wieviele am Ende wirklich auf die Straße gehen, um ihrer Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen, bleibt abzuwarten. Auch die Hackergruppe Anonymous, die durch Datenklau zweifelhaften Ruhm erlangte, ruft in Youtube-Clips zum Widerstand gegen das System auf.

In Frankfurt soll vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank protestiert werden. Auch in Berlin, Köln, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart sind Demonstrationen geplant.

In den USA, wo die Bewegung durch kleine Studentenproteste ihren Ausgang nahm, finden mittlerweile landesweit Protestaktionen statt. Am Donnerstag versammelten sich tausende Demonstranten unter anderem in Washington, Philadelphia, Los Angeles und Houston.

Obama äußert Verständnis

US-Präsident Barack Obama sagte bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am Donnerstag, er verstehe die Bedenken der Öffentlichkeit über die Arbeitsweise der Finanzindustrie.

Es sei ein Ausdruck der Frustration der amerikanischen Bürger über die schwerste Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren, mit „schweren Kollateralschäden auf allen Einkaufsstraßen im Lande“, so Obama. Die Bürger sähen, wie diejenigen, die zuvor unverantwortlich handelten und das Problem schufen, nun versuchten, sich gegen strengere Regeln zu wehren.

Jedoch sei ein starker Finanzsektor für das Funktionieren der Wirtschaft unerlässlich, fügte Obama hinzu. Ein von ihm angestrebtes Gesetzesvorhaben werde für eine straffere Aufsicht über den Finanzsektor sorgen.

Fed-Vertreter: „Kann Frustration Verstehen“

Auch ein hochrangiger Vertreter der US-Notenbank Fed äußerte Verständnis. „Es gibt zu viele Arbeitslose, die Einkommensverteilung ist zu ungleichmäßig“, sagte am Donnerstag der Fed-Präsident von Dallas, Richard Fisher, vor Geschäftsleuten in Texas. „Wir haben ein frustriertes Volk, und ich kann ihre Frustration verstehen.“ (siha, Reuters)


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