EM-Quali

Ivanschitz schwebt nach seinem Traum-Comeback auf Wolke sieben

Ein Tor, zwei Assists - besser hätte die Rückkehr von Andreas Ivanschitz ins ÖFB-Team nicht laufen können.

Baku - In seinem 50. Länderspiel hat Andreas Ivanschitz seinen vielleicht größten persönlichen Triumph in der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft gefeiert. Nachdem er zweieinhalb Jahre auf seine Jubiläumspartie hatte warten müssen, erzielte er am Freitag beim 4:1-Auswärtssieg über Aserbaidschan in der EM-Qualifikation sein achtes ÖFB-Tor und leistete obendrein zwei Assists.

Windtner: „Solche Gschichten schreibt nur der Fußball“

Die Erleichterung über sein mehr als gelungenes Comeback war dem Mainz-Legionär nach dem Match ins Gesicht geschrieben. „Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen, der Druck war schon groß. Aber ich habe mich gut eingefügt und gleich Leistung gebracht“, erklärte Ivanschitz, der Gratulationen von ÖFB-Präsident Leo Windtner erhielt. „Solche Geschichten schreibt nur der Fußball“, sagte der 61-Jährige.

Ivanschitz war schon mit einer positiven Vorahnung nach Aserbaidschan gereist. „Ich habe mich die ganze Woche in Bad Tatzmannsdorf sehr gut gefühlt, bin topfit und habe Spaß am Fußball. Das liegt auch an der Mannschaft, die mich gut aufgenommen hat.“

Über seine unfreiwillige Nationalteam-Abstinenz unter Teamchef Dietmar Constantini wollte Ivanschitz keine Gedanken mehr verschwenden. „Es bringt nichts, diese Sache nach jedem Länderspiel aufzuarbeiten. Ich habe meinen Blick nach vorne gerichtet.“

Der Mittelfeldspieler kam auf der für ihn eher ungewohnten Position am linken Flügel zum Einsatz und überließ den Platz im Offensiv-Zentrum Marko Arnautovic, damit dessen Defensivmängel besser kaschiert werden konnten. „Teamchef Willi Ruttensteiner hat den Vorschlag gemacht, damit Marko entlastet wird und nicht so viel laufen muss“, verriet Ivanschitz.

Diese Maßnahme ging laut dem bald 28-Jährigen auf. „Wir waren gut eingestellt, großes Kompliment an den Trainer. Wir haben eine tolle Leistung abgeliefert, auch wenn noch einige unnötige Abspielfehler dabei waren“, sagte Ivanschitz.

Doppeltorschütze Janko behält die Kapitänsschleife

Bis kurz vor dem Spiel war sogar im Raum gestanden, dass der Burgenländer wieder in die Kapitänsrolle schlüpft. Dann aber stellte Ruttensteiner in einem Gespräch mit Ivanschitz, Marc Janko und Christian Fuchs klar, dass Janko weiterhin die Schleife trägt. „Und das war für alle drei überhaupt kein Problem“, betonte Ruttensteiner.

Janko feierte im Schatten der geglückten Rückkehr von Ivanschitz sein „gefühltes Comeback“ in der Nationalmannschaft. Der Twente-Angreifer präsentierte sich im ÖFB-Dress erstmals seit langem wieder von seiner besten Seite und hatte mit seinen beiden Toren maßgeblichen Anteil am 4:1-Sieg.

„Ein Stürmer braucht Vertrauen. Das habe ich von Ruttensteiner bekommen, und das habe ich zurückgezahlt“, sagte Janko, der aber keine schlechten Worte über Constantini verlieren wollte. „Es wäre unfair, die letzten Misserfolge an ihm aufzuhängen. Er hat sein Bestes gegeben.“

Erklärungen, wonach seine durchwachsenen Leistungen in den letzten Länderspielen mit dem für ihn nicht maßgeschneiderten taktischen Konzept verbunden waren, ließ Janko nicht gelten. „Es braucht kein eigenes System für mich. Ich habe auch unter Karel Brückner getroffen, obwohl wir da mit zehn Mann verteidigt haben.“

Keine übertriebene Euphorie

Dass sein Doppelpack vom Ivanschitz-Auftritt überstrahlt wurde, war für Janko kein Problem. „Ich freue mich unheimlich für Andi. Er hat sich während seiner Abwesenheit wie ein Sir verhalten, deshalb freut es mich umso mehr, dass er mit so einer guten Leistung zurückgekommen ist.“

Mit der Leistung der gesamten Mannschaft war der 22-fache ÖFB-Internationale (9 Tore) nicht ganz zufrieden. „Der Sieg war wichtig und verdient, aber wir haben es mit einem Mann mehr nicht immer verstanden, den Ball richtig laufen zu lassen“, kritisierte Janko und warnte vor übertriebener Euphorie. „Wir haben nur Aserbaidschan und keine große Nation geschlagen.“ (APA)