Athen-Schuldenschnitt bis zu 60 Prozent möglich

Nicht nur die Banken, auch die Steuerzahker wären vom Haircut betroffen.

Berlin/Wien – Die Hinweise auf eine harte Umschuldung Griechenlands verdichten sich. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Finanz- und Verhandlungskreisen erfuhr, werden aktuell in der Eurogruppe Szenarien für einen Schuldenschnitt von bis zu 60 Prozent durchgespielt. Gläubiger Griechenlands müssten dann auf diesen Anteil ihrer Forderungen verzichten.

Bei einem Schuldenschnitt wären nicht nur Banken, sondern auch Steuerzahler betroffen. In Deutschland etwa hat der deutsche Staat im Rahmen der internationalen Hilfen Griechenland Notkredite in Milliardenhöhe über die Förderbank KfW gewährt. In Österreich hat zudem die notverstaatlichte Kommunalkredit größere Griechenland-Außenstände.

In deutschen Regierungskreisen hieß es, in Sachen Schuldenschnitt sei es zu früh für eine abschließende Bewertung. Die Analyse der „Troika“ - Experten von Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) - zur Schuldentragfähigkeit Griechenlands liege noch nicht vor.

Kritik vonseiten der Troika

Auch müsse das Treffen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy heute Abend in Berlin abgewartet werden. Mitglieder der Troika-Mission in Athen haben am Wochenende in düsteren Worten die stockenden Reformen der griechischen Regierung kritisiert.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich besorgt, ob die Griechen ihre gigantische Schuldenlast dauerhaft stemmen können. „Es gibt ein hohes Risiko, dass sich diese Krise weiter zuspitzt und ausbreitet“, sagte Schäuble der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Zurückgewiesen wurde in deutschen Regierungskreisen ein Medienbericht, wonach Deutschland im Gegenzug für einen Schuldenschnitt in Griechenland bereit sei, den Franzosen beim Rettungsfonds EFSF mehr Flexibilität zuzugestehen. Französische Banken wären von einer Umschuldung in Athen besonders betroffen. (APA/dpa)


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