Weltweiter Protest gegen Finanzsystem hält an

Die weltweiten Proteste gegen das Finanzsystem halten an: In Frankfurt am Main harrten die Demonstranten vor der Europäischen Zentralbank (EZB) aus, in Zürich besetzten sie erneut einen Platz in der Altstadt. Vorbild sind die Proteste in den USA, wo Kritiker seit Wochen auf einem Platz nahe der New Yorker Börse unter dem Motto „Occupy Wall Street“ gegen die Macht der Banken demonstrieren.

EU-Kommissionspräsident Barroso sagte am Montag nach Beratungen mit den europäischen Sozialpartnern in Brüssel, er verstehe die Empörung der Demonstranten. „So manches Verhalten im Finanzsektor war total unverantwortlich. Wir sollten sagen: Es war krimineller Art.“ EU-Ratspräsident Van Rompuy nannte die Sorgen der jungen Menschen „legitim“.

Aus Protest gegen die Macht der Banken verbrachten vor der EZB in Frankfurt am Main Demonstranten auch die zweite Nacht in Folge in Zelten. 150 bis 200 Menschen seien noch in dem Protest-Camp vor der EZB, sagte ein Sprecher der Bewegung „Occupy Frankfurt“ („Besetzt Frankfurt“) am Montag. Sie wollten auf unbestimmte Zeit dortbleiben. Das Protestcamp war am Samstagnachmittag nach einer Großdemonstration in Frankfurt mit mehr als 5.000 Menschen aufgebaut worden. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel äußerte großes Verständnis für die weltweiten Proteste gegen Banken und den Kapitalismus.

Aktivisten der sogenannten „Empörten“-Bewegung in der Schweiz wollen ihren Protest gegen das Finanzsystem ebenfalls weiter aufrechterhalten. Rund 40 verbliebene Demonstranten zogen Montag früh vom Zürcher Paradeplatz im Finanzviertel auf den Lindenhof in die Altstadt. Der Protest soll die ganze Woche über andauern. Am Samstagvormittag hatten bis zu 1.000 Personen friedlich gegen das Finanzsystem demonstriert. In London campierten am Montag den dritten Tag in Folge Demonstranten im Finanzdistrikt, auch in Amsterdam verbrachten Demonstranten eine weitere Nacht in Zelten.

US-Präsident Obama will indes gut ein Jahr vor der US-Präsidentenwahl bei einer dreitägigen Tour durch mehrere Südstaaten von den Protesten gegen die Finanzbranche profitieren. Obama wollte am Montag nach North Carolina und Virginia aufbrechen und dort auch für seinen milliardenschweren Plan zur Schaffung von Arbeitsplätzen werben. Die beiden Staaten sind im kommenden Jahr für seine Wiederwahl wichtig.


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