Architektur

Tagung über das Künstlerhaus in NS-Zeit

Aus Anlass des 150-Jahre-Jubiläums des Wiener Künstlerhauses stellt sich die Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs einem unrühmlichen Kapitel ihrer Vergangenheit. „Das Künstlerhaus im Nationalsozialismus“ lautet der Titel einer interdisziplinären Tagung, die am Donnerstag und Freitag stattfindet.

„Die Institution war sicher nationalsozialistisch instrumentalisiert“, sagt der Kunsthistoriker Richard Kurdiovsky, von dem das Tagungskonzept stammt, „und sie hat sich auch instrumentalisieren lassen.“

Das Künstlerhaus war neben der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) die einzige Künstlervereinigung, die von den Nationalsozialisten nach dem „Anschluss“ zugelassen wurde. Der Hagenbund wurde aufgelöst, die Secession mit dem Künstlerhaus zusammengeführt. „Das heißt aber nicht, dass alle Mitglieder Nazis waren“, so Kurdiovsky im Gespräch mit der APA. Zwei Künstlerhaus-Präsidenten sind es allerdings, die eine nicht unwesentliche Rolle in der NS-Kulturpolitik gespielt haben: Der Maler Leopold Blauensteiner, der bereits 1933 NSDAP-Mitglied wurde und 1938/39 dem Künstlerhaus vorstand, avancierte zum Landesleiter der Reichskammer der bildenden Künste in Wien. Rudolf Eisenmenger, dessen Kunst von Adolf Hitler bewundert wurde, war 1939-45 Künstlerhaus-Präsident.

Eisenmenger arbeitete nach dem Krieg weiter und erhielt zahlreiche öffentliche Aufträge und Preise. Seine Rolle in der NS-Zeit wurde in den vergangenen Jahren vor allem anhand seines 1955 für die Wiener Staatsoper geschaffenen Eisernen Vorhangs thematisiert, der seit 1998 von jährlich wechselnden künstlerischen Gestaltungen überdeckt wird. „Kontinuitäten und Brüche sind auch für das Künstlerhaus ein spannendes Thema“, erklärt Kurdiovsky. So sei das erst 1948 durch Umbau eines Ausstellungssaales entstandene Künstlerhaus-Kino „ein Gesamtkunstwerk, das engste Beziehungen zur NS-Zeit und zum Austrofaschismus aufweist“.

„Die Pläne für die Renovierung des Kinos sind fix und fertig“, sagt Künstlerhaus-Direktor Peter Bogner. „Es ist ein Zeitzeugnis, das die konservative und retrospektive Ausrichtung der Kulturpolitik der Nachkriegszeit widerspiegelt. Wir wollen es erhalten, aber auch reflektieren, in welchem Umfeld es entstanden ist.“ Innenarchitektur und Programmierung des Kinos sind ebenso wie der Umgang mit den jüdischen Mitgliedern des Künstlerhauses Gegenstand von Vorträgen der Tagung.