Schuldenberg

Top-Bonität in Gefahr: Frankreich zittert um Triple-A-Rating

Am Montag hatte die Ratingagentur Moody‘s erklärt, den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Frankreichs in den kommenden Monaten auf den Prüfstand zu stellen.

New York - Die französische Regierung muss nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody‘s mit Reformen die Kreditwürdigkeit des Landes sichern. In ihrem jährlichen Kreditbericht über das Land erläuterte die Agentur, sowohl wirtschaftliche als auch fiskale Reformen seien entscheidend, damit die Top-Bonitätsnote „Aaa“ auch weiterhin mit einem stabilen Ausblick versehen werden könne. Die Finanzstärke des Landes habe wegen der Belastungen durch die Finanzkrise nachgelassen. Deshalb will Moody‘s den stabilen Ausblick für die Bonitätsnote in den kommenden drei Monaten erneut auf den Prüfstand stellen.

Spitzenbonität nicht gefährdet

Schon jetzt sei die Schuldensituation in Frankreich gravierender als in den meisten anderen mit „Aaa“ benoteten Ländern, warnte die Agentur.

Frankreich stehe in den nächsten Monaten vor Herausforderungen, schreibt Moody‘s weiter: So könnte zusätzliche Unterstützung für andere Länder notwendig werden oder das französische Bankensystem gestützt werden müssen. Generell verfüge Frankreich aber über eine Wirtschaft mit „hoher Produktivität, breiter Diversifizierung und hoher Innovationskraft“. Zudem verfüge der private Sektor über ein hohes Sparvermögen.

Frankreichs Finanzminister Francois Baroin beschwichtigt. Er hält die Spitzenbonität seines Landes nicht für gefährdet. Das Top-Rating AAA sei nicht in Gefahr, weil Frankreich bei der Verabschiedung von Maßnahmen zum Defizitabbau sogar dem Zeitplan voraus sei, sagte Baroin am Dienstag dem TV-Sender France 2. Er räumte allerdings ein, dass die Wachstumsprognose für das kommende Jahr zu hoch gegriffen sein dürfte.

Die angestrebten 1,75 Prozent seien angesichts der schwachen Wirtschaftsaussichten „wahrscheinlich zu hoch“. Eine Anpassung der Prognose sei deswegen zu einem späteren Zeitpunkt nötig.

Bestnote könnte bald fallen

Die Chefvolkswirte von Commerzbank und Barclays Capital Deutschland, Jörg Krämer und Thorsten Polleit, rechnen indes damit, dass Frankreich seine Top-Kreditwürdigkeit verlieren wird. „Ein neues Rettungspaket für die Schuldenländer im Süden der Währungsunion wird auch die französischen Staatsfinanzen belasten“, sagte Krämer dem „Handelsblatt Online“. Er sehe daher die Gefahr, dass die Ratingagentur Standard & Poor‘s die Bonitätsnote Frankreichs bereits in den kommenden Wochen mit einem negativen Ausblick versieht.

„Im kommenden Jahr könnte dann die Bestnote von AAA endgültig fallen“, sagte Krämer weiter. Zum einen werde das Wirtschaftswachstum „deutlich“ nachlassen. „Zum anderen dürften die Politiker wegen des Präsidentenwahlkampfs zögern, Steuern zu erhöhen oder Ausgaben zu senken.“

Auch für Barclays-Chefökonom Polleit ist die Gefahr, dass Frankreich sein AAA-Rating verliert, nicht von der Hand zu weisen. „Die Probleme der heimischen Banken können zu massiven zusätzlichen Belastungen für die Finanzlage des französischen Staates werden“, sagte Polleit „Handelsblatt Online“. Und die Haushaltslage der Franzosen sei bereits alles andere als vertrauenserweckend.

Nächster Kandidat Deutschland?

Polleit hält es überdies für möglich, dass auch Deutschland ins Visier der Rating-Agenturen geraten könnte. Zwar könne Deutschland mit seiner bisherigen Haushaltsplanung, wenn sie sich denn umsetzen lasse, die Schuldenlast bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den kommenden Jahren absenken. Das jedoch bedinge, dass keine neuen Belastungen für den Haushalt erwachsen. „Die Hilfeleistungen aber, die die Bundesregierung nun anderen Euroraum-Ländern geben will, können zu einer drastischen Verschlechterung der Entwicklung der Schuldenlasten führen, die dann in der Tat auch Zweifel am AAA-Rating Deutschlands wecken könnten.“ (APA/Reuters/dpa)