Chinas Konjunktur kühlt ab - Sorge um Weltwirtschaft

Chinas Wirtschaftsboom kühlt sich immer stärker ab und nährt weltweit die Sorge um das globale Wachstum.

Peking - Chinas Wirtschaftsboom kühlt sich immer stärker ab und nährt weltweit die Sorge um das globale Wachstum. In den Sommermonaten legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt so schwach zu wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Mit dem am Dienstag gemeldeten Wert von 9,1 Prozent geraten zweistellige Wachstumsraten, die das Reich der Mitte über Jahre gemeldet hat, immer weiter außer Sicht. Experten zeigten sich enttäuscht. Die Aktienmärkte in Asien und Europa reagierten verschnupft auf die Daten aus China.

Auch der Ölpreis gab nach und Kupfer verbilligte sich. Selbst Gold, das in Zeiten der Krise als sicherer Hafen gesucht wird, gab nach. Das Edelmetall kostete in der Spitze mit 1654 Dollar je Feinunze gut ein Prozent weniger. Nach Aussage von Händlern machten den Anlegern am Rohstoffmarkt vor allem Sorgen um den Zustand der Weltkonjunktur zu schaffen. „Das hat der Stimmung einen ordentlichen Dämpfer verpasst“, sagte Du Xiaohua, Analyst bei Dongzheng Futures, über die enttäuschend ausgefallenen BIP-Zahlen. Auch am Finanzplatz Frankfurt nährten die Daten aus dem Reich der Mitte die Furcht, die Weltwirtschaft könnte sich deutlich abkühlen.

Eine nachlassende Nachfrage aus dem Ausland bremste den Exportweltmeister China ebenso wie höhere Zinsen, teilte das Statistikamt in Peking mit. Die Konjunktur kühlte sich damit bereits das dritte Quartal in Folge ab. Eine schwächeres Wachstum hatte es zuletzt im Frühjahr 2009 mit 8,1 Prozent gegeben, als die weltweite Finanzkrise auch den Boom in China bremste. Im Frühjahr waren es noch 9,5 Prozent und zu Jahresbeginn immerhin 9,7 Prozent.

Die Regierung in Peking versuchte vor diesem Hintergrund, Sorgen vor einem Abschwung zu zerstreuen. „Auch wenn sich das Wachstum etwas verlangsamt hat, so ist es doch stabil“, versicherte der Sprecher der Statistikbehörde, Sheng Laiyun. „Es ist wahrscheinlich, dass China auch in der nächsten Zeit sein recht schnelles Wirtschaftswachstum bewahren kann.“

TT-ePaper gratis lesen und iPhone 11 Pro gewinnen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

Jetzt mitmachen
TT ePaperTT ePaper

Inflation belastet Kaufkraft

Experten schließen eine harte Landung dagegen nicht aus, weil die Volksrepublik nicht immun ist gegen die Schuldenkrise in Europa. Im September legten die Ausfuhren nach Europa nur noch halb so stark zu wie im August. „Die Gefahr einer deutlichen Abkühlung besteht weiterhin“, warnte der Chefvolkswirt von Peking First Advisory, Dong Xian‘An. Für das Jahresende erwartet er nur noch ein Plus von 8,6 Prozent. Ökonom George Worthington von IFR Markets rechnet jedoch damit, dass Chinas Führung eine harte Landung nicht zulassen wird. „China hat bei Bedarf genügend Schlagkraft, um das Wachstum zu stützen.“ Zu schaffen macht der Volksrepublik allerdings die hohe Inflation, die die Kaufkraft belastet und die Notenbank zu mehreren Zinserhöhungen zwang. Das verteuert Kredite für Konsum und Investitionen.

Dennoch gehörten die Ausgaben der Unternehmen zu den Wachstumstreibern. Ihre Investitionen legten von Januar bis September um 24,9 Prozent zu. Anleger schreckten trotzdem vor weiteren Engagements zurück und nahmen Gewinne mit. Vor allem die Papiere von Rohstoffkonzernen gehörten am Dienstag zu den Verlierern. Anleger sorgen sich, dass sich die Nachfrage abschwächen könnte.

Experten erwarten trotz der enttäuschenden Wachstumszahlen aus China vorerst keine Änderung der Geldpolitik der Zentralbank PBOC. Im Kampf gegen die Inflation hatte China zuletzt die Leitzinsen und Mindestreserveanforderungen für Finanzinstitute in regelmäßigen Abständen angezogen. Die Teuerung lag im September auf Jahressicht bei 6,1 Prozent. Die Regierung in Peking peilt offiziell rund vier Prozent an. (APA/Reuters)


Kommentieren


Schlagworte