Schweden

Dement und fast blind: EU-Gericht stoppt Abschiebung von 91-Jähriger

Die umstrittene Abschiebung von Ganna Tschyschewska (91) aus Schweden in die Ukraine ist in letzter Minute abgebrochen worden. Die geplante Ausweisung der betagten Dame hatte in Schweden zu heftigen Protesten geführt.

Stockholm – Die umstrittene Abschiebung einer 91-jährigen Ukrainerin aus Schweden in ihr Heimatland ist am Dienstag in letzter Minute vorerst gestoppt worden. Es habe eine entsprechende Anweisung des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs (EGMR) gegeben, sagte eine Sprecherin der schwedischen Einwanderungsbehörde der Nachrichtenagentur AFP. Der Antrag auf die schwedische Staatsbürgerschaft der 91-jährigen Ganna Tschyschewska, die an Demenz leidet, fast blind ist und weder Freunde noch Familie in der Ukraine hat, war zuvor abgelehnt worden. Ihre geplante Ausweisung hatte in Schweden für Empörung gesorgt.

Schwedischen Medienberichten zufolge war Tschyschewska bereits mit ihrer Enkelin auf dem Weg zum Flughafen von Stockholm, als die Nachricht über die vorerst gestoppte Ausweisung kam. Die Enkelin hatte demnach bereits zuvor vergeblich versucht, die Fluglinie zu überzeugen, ihre Großmutter nicht zu befördern. Der Flug war für Dienstagnachmittag angesetzt, nur wenige Stunden zuvor ging dem Menschenrechtsgerichtshof den Berichten zufolge ein Beschwerdeschreiben ein, woraufhin die Ausweisung der 91-Jährigen in die Ukraine vorerst für zwei Wochen gestoppt wurde. Nach Angaben der schwedischen Einwanderungsbehörde handelt es sich zwar um eine vorläufige Entscheidung, die aber endgültig werden könnte.

Schwedische Politiker und das Rote Kreuz hatten zuvor gefordert, dass die 91-Jährige nicht ausgewiesen wird. Zudem wurde eine Facebook-Gruppe gegen die Anordnung gegründet, die inzwischen mehr als 10.000 Mitglieder zählt. Dutzende Demonstranten protestierten am Dienstag am Stockholmer Flughafen. Tschyschewska hatte 2003 die schwedische Staatsbürgerschaft beantragt, um in Schweden mit ihrer Tochter und Enkelin zu leben, die bereits seit 20 Jahren dort leben. (APA/AFP)