Kein ÖSV-Topstar - Schröcksnadel schließt große Kugel aber nicht aus
Der Österreichische Skiverband geht mit einem beachtlichen 40-Millionen-Euro-Budget in die Saison.
Wien - Österreichs Skiverbandspräsident Peter Schröcksnadel schließt trotz der Außenseiterrolle seiner Alpinskifahrer den Gewinn einer großen Kristallkugel im kommenden Winter nicht ganz aus. „Natürlich haben wir derzeit nicht den Topstar in unseren Reihen, der alles gewinnt. Aber wir haben eine Reihe von Läufern, die durchaus die Chancen hätten auf den Gesamtweltcup“, erklärte der ÖSV-Chef vor dem Weltcup-Auftalt am kommenden Wochenende in Sölden.
Trainer schreiben große Kugel ab
Die beiden Alpin-Cheftrainer Mathias Berthold („Realistisch sehe ich niemand“) und Herbert Mandl („Kein Thema“) hatten kürzlich die wichtigste Trophäe bereits vor dem Winter praktisch abgeschrieben. Dass die Skination Nummer eins zwar seit 21 Saisonen im Nationencup unantastbar ist, bei den Damen (Nicole Hosp 2007) seit vier und bei den Herren (Benjamin Raich 2006) aber schon fünf Saisonen keine große Kugel mehr gewonnen hat, ist Realität.
Auch Sportdirektor Hans Pum hält die Einschätzung der sportlichen Leiter einerseits für „realistisch“. „Einen Gesamtsieger schüttelt man eben nicht aus dem Ärmel. Den kann man nicht machen, das passiert“, so der langjährige Alpinchef. Aber auch Pum glaubt an seine FahrerInnen. Ein Name sei etwa Romed Baumann, und, so Pum: „Keiner ist im vergangenen Jahrzehnt so oft um den Gesamtsieg mitgefahren wie Benjamin Raich.“
ÖSV mit falschem Erfolgsrezept
Einen Grund für die lange Erfolglosigkeit im Kampf um die Weltcup-Gesamtsiege sieht Schröcksnadel in der Vergangenheit. „Unser Weg lautete lange drei aus vier, das war sicher ein Fehler.“ Heutztage würden bisweilen auch zwei bis drei starke Disziplinen zum Gewinn der großen Kugel ausreichen. Siehe Titelverteidiger Ivica Kostelic, Aksel Lund Svindal oder Bode Miller.
Keine Frage, dass der 70-jährige ÖSV-Präsident noch in seiner Ära einen weiteren rot-weiß-roten Gesamtsieger sehen will. Schröcksnadel wird zumindest bis zur Heim-WM 2013 in Schladming amtieren. „Was danach ist, kommentiere ich nicht“, sagte er Dienstagabend beim Heurigentreffen mit Medienvertretern in Wien. „Aber so lange wie Bernie Ecclestone in der Formel 1 bleibe ich sicher nicht.“
Schladming wird die erste Weltmeisterschaft mit neuem Skimaterial sein. Schröcksnadel begrüßt nicht nur die „Rückbesinnung“ auf schmälerer und weniger aggressive Ski, er hat sie sogar initiiert. „Wir sind der einzige Verband, der seit 1992 genaue Aufzeichnungen hat. Primärer Unfallgrund war die Skibreite, deshalb habe ich geraten, das wieder retour zu nehmen“, erklärte der Tiroler, der nach den Olympia-Querelen von Turin wieder in den FIS-Vorstand eingezogen ist.
40-Millionen-Euro-Budget im Winter 2011/12
Der ÖSV hat insgesamt den erfolgreichste Winter als Gesamtverband hinter sich, im Alpinbereich aber nur eine kleine Kugel durch Marlies Schild im Slalom geholt. Das soll sich ändern. Der ÖSV nimmt den Winter mit einem beachtlichen Budget von 40 Mio. Euro für die 350 Sportler und 192 Betreuer in Angriff. Schröcksnadel: „Wir haben großes Glück, dass wir eine Heim-WM haben. Sonst wäre es sicher schwerer geworden.“
Schröcksnadel denkt aber wie stets weit über den Rennsport hinaus, wenn es um seinen geliebten Skisport geht: „Die Zukunft ist, den Sport jung zu halten“, forciert er deshalb intensiv junge Schneesportdisziplinen.
Dass viele Menschen im Winter lieber in den günstigen Sommerurlaub fliegen, nimmt der Präsident nicht einfach so hin. „Man darf die Verantwortung nicht abgeben und Jammern, sondern muss selbst etwas verändern. Wir sind besser als der Sommer-Clubtourismus.“ Die Rückkehr der verpflichtende Schulskikurse („Da bleibt das Geld in Österreich“) oder Aktionen weit weg von den Bergen, wo die Menschen hohes Interesse am Schnee hätten, unterstützt Schröcksnadel ebenfalls. (APA)