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Warten auf den Absturz: Rosat kommt am Wochenende runter

Irgendwann zwischen Samstag und Sonntag tritt der deutsche Röntgensatellit Rosat wieder in die Erdatmosphäre ein. Wo genau die Trümmerteile niedergehen, können die Experten selbst Stunden vor dem Absturz nur ungefähr vorhersagen.

Von Monika Schramm

Köln – In rasender Geschwindigkeit rauscht Rosat auf die Erde zu – ohne Antrieb und ohne Steuerung. Der Röntgensatellit wird nach den letzten Berechnungen der Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Wochenende auf die Erde stürzen. Mit rund 28.000 Stundenkilometern rauscht er in die Atmosphäre, wird binnen zehn Minuten auf Unterschallgeschwindigkeit abgebremst. ROSAT wird dabei zerbersten, ein Teil wird verglühen, aber rund 30 Trümmerteile mit einem Gesamtgewicht von etwa 1,7 Tonnen regnen auf die Erde. Wann und wo genau steht aber (noch) in den Sternen.

Schwierige Vorhersagen

„Die Bahn wird ständig beobachtet“, sagt DLR-Pressesprecher Andreas Schütz . Rund um den Globus sind Radareinrichtungen auf den Satelliten gerichtet, insgesamt sind 12 Raumfahrtagenturen weltweit an den Beobachtungen beteiligt. Doch Vorhersagen sind schwierig. „Die Lage des Satelliten im Raum ist zum Beispiel nicht bekannt. Hinzu kommt, dass ebenso nicht bekannt ist, wie er in die dichten Schichten der Atmosphäre eintritt. Und es kommt auf den Winkel an, mit dem er wieder eintritt“, erklärt Schütz. Je näher der Termin rückt, desto genauer können die Experten ihre Prognose erstellen.

Doch selbst einen Tag vor dem Absturz – also am Freitag oder Samstag – beträgt die Unsicherheit immer noch plus/minus fünf Stunden. Denn Rosat ist schnell: Eine Erdumrundung dauert nur 90 Minuten, das heißt er schafft es in dieser Zeit mehr als sechs Mal um die Erde. Gleichzeitig rotiert aber auch die Erde unter dem Satelliten und die Bereiche, die von den herabfallenden Trümmerteilen getroffen werden können, verschieben sich ständig. Wenige Stunden vor dem berechneten Zeitpunkt können die Experten immerhin die Bodenspur – das ist die Projektion der Satellitenflugbahn auf die Erdoberfläche – angeben, über der der Wiedereintritt vermutlich stattfinden wird. Irgendwo entlang der Bodenspur werden die Trümmer niedergehen – auf einer Breite von bis zu 80 Kilometern.

Die Bahn von Rosat verläuft zwischen dem 53. nördlichen und südlichen Breitengrad. In diesem Korridor liegen z.B. Berlin, New York und Rom sowie Adelaide, Kapstadt und Buoenos Aires. Hamburg und Bremen würden jedoch vom Satelliten verschon.

Wer Teile finden sollte, muss dies melden

Theoretisch könnte der Röntgensatellit auch über Deutschland niedergehen. Doch die Wahrscheinlichkeit ist gering. Sie liegt bei 1:580. Viel eher werden die Trümmer unbemerkt von den meisten Menschen irgendwo in den Tiefen der Weltmeere versinken oder auf unbewohntem Gebiet aufschlagen. Dann könnten aber auch sichtbare Spuren bleiben. Denn das vermutlich größte Fragment, der sehr hitzebeständige Spiegel des Teleskops, der bis zu 1,6 Tonnen wiegen kann, würde beim Aufschlag einen Krater von mehreren Metern Durchmesser verursachen. Sollte Rosat wider Erwarten doch Schäden verursachen, würden die Startstaaten Deutschland, Großbritannien und die USA dafür einstehen.

Dass jemand einen kleinen Teil des Satelliten findet, ist also extrem klein. Doch was, wenn doch? „Im unwahrscheinlichen Falle, dass etwas gefunden wird, wird es stark geschmolzenes Material sein. Diese Teile können scharfkantig sein und der Finder könnte sich verletzten“, sagt der DLR-Pressesprecher. Es wäre also ratsam, die Finger von den Trümmern zu lassen. „Der Fund als solches muss gemeldet werden, da sich selbst diese Teile laut internationalem Weltraumrecht noch im Besitz Deutschlands befinden“, erklärt Schütz weiter.

Zu sehen wird das Schauspiel vermutlich nicht sein. Es geht auch rasend schnell vorbei: Die Fragmente könnten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 450 km/h gen Boden rasen. Das amerikanische Weltraumüberwachungssystem Space Surveillance Network (SSN) hat aber ROSAT während des Wiederintritts fest im Blick. Die Daten werten deutsche Wissenschafter zeitgleich aus, um schnellstmöglich den exakten Absturzort bestimmen zu können.

Getümmel am Himmel

Es ist viel Betrieb im Orbit: Gegenwärtig umkreisen rund 900 aktive Satelliten die Erde, die ISS und rund 600 Teile, die größer sind als 15 Zentimeter. Und die Zahl der Trümmerteile steigt seit Jahren kontinuierlich an. Dass Teile aus dem Weltall auf die Erde fallen, ist gar nicht so selten. Pro Jahr treten 60 bis 90 Tonnen Weltraumschrott in die Atmosphäre ein. Allein 2010 wurden 400 Wiedereintritte in die Atmosphäre gezählt.