Erdbeben in Türkei: Verzweifelte Suche nach Überlebenden

Die offizielle Zahl der Todesopfer nach dem schweren Beben liegt bei 272. Obwohl noch viele Menschen vermisst werden, dürften nicht 1000 Menschen ums Leben gekommen sein, wie zunächst angenommen.

Van, Istanbul Nach dem schwersten Erdbeben seit mehr als zehn Jahren in der Türkei suchen die Rettungskräfte verzweifelt nach Überlebenden. Bis Montagabend wurden in der Provinz Van an der Grenze zum Iran 272 Tote geborgen, mehr als 1300 Menschen wurden bei dem Beben am Sonntag verletzt. Experten rechneten angesichts der vielen Vermissten mit weiteren Opfern, allerdings nicht mehr mit den zunächst befürchteten 1000 Toten.

Das Beben am Sonntag hatte die Stärke 7,2. In den Städten Ercis und Van stürzten dutzende Hochhäuser ein. Die Stromversorgung brach zusammen. Aus Angst vor Nachbeben verbrachten viele Bewohner die Nacht bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt im Freien. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan besuchte in der Nacht die Katastrophenregion und versprach, die Rettungs- und Sucharbeiten würden ununterbrochen fortgesetzt. Retter waren mit von Generatoren angetriebenen Scheinwerfern im Einsatz, um in den Trümmern nach Überlebenden zu suchen.

272 Tote geborgen

Bis Montagabend wurden nach Angaben von Innenminister Idris Naim Sener 272 Todesopfer geborgen, der Großteil von ihnen in Ercis. In der 74.000-Einwohner-Stadt wurden in ein schnell errichtetes Feldlazarett immer neue Verletzte eingeliefert. Der verantwortliche Arzt Niyazi Celik sagte der Nachrichtenagentur AFP, er rechne deshalb nicht mit der zunächst vom Erdbebeninstitut genannten möglichen Zahl von bis zu 1.000 Toten. „Es wird noch weitere Tote geben, aber nicht mehr als vielleicht 40.“

In Ercis wurden zahlreiche Studenten vermisst, weil mehrere Wohnheime einstürzten. Auch in Van, wo 380.000 Menschen leben, wurden zahlreiche Studenten vermisst.

Knapp 1000 Gebäude eingestürzt

Nach Angaben der türkischen Regierung stürzten insgesamt 970 Gebäude ein. Die meisten der betroffenen Häuser waren mehrstöckig. Ein Experte machte dafür im Fernsehsender NTV mangelhaftes Material und eine schlechte Bauweise verantwortlich.

Aus der gesamten Türkei wurden hunderte Such- und Rettungstrupps in die Katastrophenregion entsandt. Hubschrauber und Flugzeuge brachten Zelte, Lebensmittel und Medikamente in die Unglücksregion. Insgesamt mobilisierte die Türkei 2.400 Retter aus 45 Städten.

Griechenland bot Hilfe an

Auch der Iran entsandte am Montag einen ersten Rettungstrupp von 20 Mann in die Region Van. Über mögliche Tote durch das Beben im Iran machte die staatliche Nachrichtenagentur Irna keine Angaben. Auch die Regierung in Athen bot der Türkei ihre Hilfe an. „Das griechische Volk steht bereit, jede erdenkliche Hilfe zu leisten“, sagte Regierungschef Giorgos Papandreou.

In der Türkei sind Erdbeben keine Seltenheit, da das Land auf mehreren Verwerfungslinien liegt. 1999 kamen bei zwei starken Beben im dicht besiedelten Nordwesten des Landes rund 20.000 Menschen ums Leben. (APA/Reuters/AFP/dpa)


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