Gefeierter Maler-Star der 80er: Julian Schnabel wird 60

Er wurde in den 80er-Jahren gleichermaßen gefeiert wie verrissen. Ein Kritiker verglich seine Arbeiten mit den Schauspielleistungen Sylvester Stallones. Jetzt wird der amerikanische Maler, Bildhauer und Regisseur Julian Schnabel 60 Jahre alt.

New York - Julian Schnabel, in Brooklyn geboren und in Texas aufgewachsen, hatte seine größte Zeit als Maler in den 80er-Jahren in den USA. Seine großformatigen Bilder, oftmals auf Scherben, Tierhäuten oder auch Segeltuch gemalt, erzielten schon bald nach seiner Entdeckung sechsstellige Dollar-Beträge. Mit Gemälden, die großformatig sind und oftmals vor Farbe sprühen, zählt er zu den Vertretern des „New Image Painting“, einer Kunstrichtung, die sich durch ausdrucks- und willensstarke Malerei im Gegensatz zur Konzeptkunst auszeichnet. Oft wird sie auch als Neo-Expressionismus bezeichnet.

Kein Wunder, dass eines von Schnabels Werken 1987 das Büro der Filmgestalt Gordon Gecko, des skrupellosen Finanzinvestors aus dem Film „Wall Street“, schmückt. Beide Persönlichkeiten stehen für die scheinbar unbeschränkten Möglichkeiten dieses Jahrzehnts. Schneller Aufstieg und unendlicher Ruhm schienen zum Greifen nah. Das Kunstmagazin „art“ bezeichnete Schnabel, der am 26. Oktober 60 Jahre alt wird, 2010 in einem Artikel als „Jackson Pollock der 80er Jahre“.

1987 kehrt Langeweile ein und Popularität sinkt

Seine erste Einzelausstellung in New York hatte Schnabel 1979 in der Galerie von Mary Boone. Rückblickend sieht das „New York Magazine“ dies als den wahren Beginn der 80er-Jahre. Nach erfolgreichen Jahren sagte Schnabel 1987 über sich selbst, dass er langweilig geworden sei für die Kunstszene. Es ist das Jahr, in dem Andy Warhol stirbt. Kurz darauf folgt Künstlerkollege Jean-Michel Basquiat, der wie Schnabel als ein Vertreter des Neo-Expressionismus gilt. Mit der Retrospektive im Whitney-Museum in New York 1987 begann Schnabels Popularität in den USA zu schwinden, in Europa konnte sie sich noch einige Zeit halten.

Schnabel wandte sich Musik und Film zu

Schnabel versuchte sich in anderen Kunstformen, sein 1995 aufgenommenes Musik-Album „Every Silver Lining Has a Cloud“ wurde unterschiedlich aufgenommen. Furore machte Schnabel erst wieder mit seinen Filmprojekten. Als 1996 der biografische Film „Basquiat“ erschien, wurde Schnabel vorgeworfen, seine Beziehung zu Basquiat zu übertreiben, sich in den Vordergrund zu drängen. Die „New York Times“ sah keine Tiefe in dem Film. Aber: „Before Night Falls“, ein Film über den kubanischen Schriftsteller Reinaldo Arenas, brachte Schnabel im Jahr 2000 eine Oscar-Nominierung ein.

Mit „Schmetterling und Taucherglocke“ (Originaltitel „Le scaphandre et le papillon“) gewann Schnabel 2007 den Regiepreis der Filmfestspiele in Cannes, 2008 gewann er den Golden Globe in den Kategorien „beste Regie“ und „bester fremdsprachiger Film“. Der in französischer Sprache gedrehte Film illustriert die Lebenserinnerungen des Chefredakteurs der französischen Ausgabe der Modezeitschrift „Elle“, Jean-Dominique Bauby. Dieser war nach einem Schlaganfall gelähmt, sein Geist war davon unbeeinträchtigt, sprechen konnte er jedoch nicht. Gefangen in seinem bewegungslosen Körper, hatte Bauby gelernt, mit Hilfe seines Augenlids zu buchstabieren. So diktierte er seine Lebenserinnerungen.

Kritiker loben die ausgezeichnete Filmtechnik, mit der Schnabel seine Filme inszeniert, obwohl er keine klassische Regieausbildung hat. „Offensichtlich ist es einfacher, einen guten Film zu machen als ein gutes Gemälde“, wird Schnabel in einem Interview zitiert. Was jedoch nicht bedeutet, dass er seine Malerei weniger wert schätze. Erst durch sie habe er die Filme so drehen können, wie sie dem Publikum präsentiert werden: durch die Augen eines Malers. Auch vernachlässigen wolle er die Malerei nicht. Auf die Frage, ob er nach seinem letzten Film „Miral“ von 2010 schon wieder einen neuen Film plane, antwortete er im Interview mit „art“, er wolle nun erstmal wieder malen - in seinem Haus im noblen Ferienort Montauk auf Long Island. (dpa)


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