Mutter muss nach versuchter Kindesentziehung in Anstalt

Die Kroatin hatte Anfang April 2011 versucht, ihren achtjährigen Sohn aus dem SOS Kinderdorf in Imst zu „entführen“.

Symbolfoto.
© Hetfleisch

Innsbruck - Wegen versuchter Kindesentziehung ist eine 48-jährige Kroatin am Dienstag vom Landesgericht Innsbruck in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Die laut einem Gutachten unter einer Wahnkrankheit leidende Frau wurde vom Schöffensenat auch der Delikte der versuchten schweren Nötigung, der gefährlichen Drohung und des versuchten Widerstandes gegen die Staatsgewalt für schuldig befunden. Die in psychiatrischer Behandlung befindliche Kroatin hatte Anfang April 2011 versucht, ihren achtjährigen Sohn aus dem SOS Kinderdorf in Imst zu „entführen“.

Das Urteil war vorerst noch nicht rechtskräftig. Vom Vorwurf der schweren Körperverletzung gegen eine Polizistin wurde die Frau freigesprochen. Die 48-Jährige gab vor Richterin Verena Offer zu, dass sie ihren Sohn dem Kinderdorf entziehen und zu sich heim in das Salzburger Zell am See bringen wollte. Laut Staatsanwaltschaft hatte sie zudem einige Monate später eine wegen dieses Vorfalls tätig gewordene öffentliche Anklägerin am Telefon unter anderem mit folgenden Worten bedroht: „Sie haben 24 Stunden Zeit, mir das Kind zurückzubringen, sonst sprenge ich das Salzburger und Tiroler Land sowie das Bezirksgericht in die Luft.“ Außerdem hatte die Frau offenbar gegenüber den kurze Zeit darauf in ihre Wohnung kommenden Polizeibeamten gedroht, die Staatsanwältin sowie Mitarbeiter der Jugendwohlfahrt der Bezirkshauptmannschaft Zell am See zu erschießen.

Auch Selbstmordabsichten habe die Frau geäußert, erklärte die als Zeugen geladenen Polizisten vor Gericht. „Ich hätte nie Gewalt angewendet“, meinte hingegen die sich derzeit im Psychiatrischen Krankenhaus in Hall aufhältige Kroatin. Zudem glaube sie nicht, derartiges gesagt zu haben bzw. könne sich nicht mehr daran erinnern.

Der Beschuldigten war die Obsorge über ihren Sohn im vergangenen Jahr entzogen worden, weil sie mit ihm in ihrer Wohnung offenbar wegen Streitigkeiten mit einem Stromversorger über mehrere Monate ohne Strom und Heizung lebte. Zudem habe sich die 48-Jährige geweigert, sich in psychologische Behandlung zu begeben. Die Linzer Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner meinte in der Verhandlung, dass die Frau „nicht schuldhaft“ gehandelt habe, sondern dass die Vorgangsweisen alle „ihrer Erkrankung zuzuschreiben“ seien.

Kastner plädierte dafür, vorerst eine Einweisung in eine Anstalt auszusprechen: „Würde das nicht passieren, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ihr Verhalten wieder dasselbe wäre. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass sie ihre Drohungen einmal in die Tat umsetzt.“ Eine bedingte Entlassung zu einem späteren Zeitpunkt sei jedoch bei entsprechender Begleitung durch einen Sachwalter sowie bei sichergestellter und überwachter medikamentöser Behandlung aus ihrer Sicht möglich, erklärte die Sachverständige. (APA)


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