VW zeigt der Konkurrenz die Auspuffrohre

Das operative Ergebnis kletterte im dritten Quartal um 45,7 Prozent auf knapp 2,9 Mrd. Euro und damit stärker als von Analysten erwartet.

Hamburg - Volkswagen fährt der Konkurrenz beim Gewinn weiter mit hohem Tempo davon. Das operative Ergebnis kletterte im dritten Quartal um 45,7 Prozent auf knapp 2,9 Mrd. Euro und damit stärker als von Analysten erwartet. Auch bei den Auslieferungen rechnet Europas größter Autobauer mit einer weiteren Steigerung.

Warnung vor Euphorie

Konzernchef Martin Winterkorn warnte am Donnerstag angesichts der zunehmenden Konjunkturrisiken allerdings vor Euphorie. Negative Zins-und Wechselkurseffekte sowie Rohstoffpreise könnten die positiven Effekte aus dem erwarteten Absatzanstieg abschwächen. Die angespannte Situation in einigen Euro-Schuldenstaaten werde zudem die Nachfrage in vielen Märkten Westeuropas im vierten Quartal belasten.

In Osteuropa sowie in Nord- und Südamerika rechnet VW dagegen mit weiter steigenden Neuzulassungen. Auch in den wichtigen Märkten China und Indien werde sich die positive Entwicklung fortsetzen. Während der französische Konkurrent Peugeot seine Gewinnprognose wegen der Schuldenkrise in der Eurozone kassieren musste und die Erfolgsserie von Daimler im dritten Quartal zu Ende ging, steuert Volkswagen damit unbeirrt sein Ziel an, die Weltmarktspitze zu erobern. Die VW-Aktie legte um mehr als sechs Prozent zu und gehörte zu den größten Gewinnern im Dax.

Der Umsatz kletterte von Juli bis September um ein Viertel auf 38,5 Mrd. Euro. Seit Jahresbeginn lieferte der Wolfsburger Konzern weltweit knapp 6,2 Millionen Fahrzeuge aus, 14 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Insgesamt sollen es in diesem Jahr erstmals mehr als acht Millionen Einheiten werden. Damit kommen die Wolfsburger der Weltmarktführung immer näher.

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Das von Konzernchef Winterkorn ursprünglich erst für 2018 angepeilte Ziel dürfte VW - zuletzt auf Rang zwei hinter der Opel-Mutter GM - nach Überzeugung von Analysten und Marktforschern deutlich früher erreichen.

Probleme in Asien

Der bisherige Champion Toyota ist nach der Erdbebenkatastrophe in seiner Heimat noch angeschlagen, fasst aber langsam wieder Tritt. Experten erwarten, dass der japanische Konzern in den nächsten Jahren wieder in das Rennen um die Weltmarktspitze eingreifen wird. Daneben erwächst VW mit dem koreanischen Konzern Hyundai ein immer stärkerer Rivale.

Der Streit mit dem japanischen Autobauer Suzuki dürfte die Wolfsburger dabei nicht bremsen. Der seit Monaten öffentlich ausgetragene Rosenkrieg zwischen den Partnern kratzt zwar am Ansehen des deutschen Konzerns in Japan. VW kann zudem nicht so schnell wie geplant günstige Kleinwagen in Indien auf den Markt bringen und braucht voraussichtlich auch länger, um seine Stellung in Südostasien auszubauen. Bei dem Wachstum in anderen Regionen rund um den Globus fällt dies nach Meinung von Experten aber kaum ins Gewicht.

Die vielen Großbaustellen, um die sich das Management kümmern muss, bleiben VW allerdings erhalten. Denn während der Konzern überall auf der Welt die Produktion hochzieht und neue Werke entstehen, muss der Vorstand die jüngste Neuerwerbung MAN integrieren. Der Münchner Lkw-Bauer soll mit der VW-Tochter Scania und dem eigenen Nutzfahrzeuggeschäft zu einer schlagkräftigen Lkw-Allianz verbunden werden. Daneben verhindern Schadensersatzklagen von Investoren bisher, dass Volkswagen wie geplant mit der Porsche Holding fusionieren kann. Angenehmer Nebeneffekt des Dilemmas: Die Verschiebung der Fusion führte dazu, dass die von VW und Porsche gegenseitig eingeräumten Kauf- und Verkaufsoptionen neu bewertet wurden. Bei VW schwillt dadurch das Finanzergebnis stark an. Der Vorsteuergewinn schnellte deshalb im dritten Quartal auf 8,4 Mrd. Euro, dreimal soviel als vor einem Jahr. (APA/Reuters)


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