Vermeintliches Opfer eines Massenmörders lebt

Mehr als 30 Jahre glaubten die Geschwister, ihr Bruder sei von John Wayne Gacy getötet worden. Doch ein DNA-Test führte die Familie nun wieder zusammen.

Chicago – Sie dachten, ihr Bruder wäre seit dreißig Jahren tot. Die Geschwister Tim Lovell und Theresa Hasselberg wähnten ihren Bruder Harold Wayne Lovell unter den unidentifizierten Opfern des Massenmörders John Wayne Gacy, der Ende der 70er Jahre 33 junge Männer und Jungen umgebracht hatte. Jetzt fanden sie ihren Bruder, und die Familie konnte wiedervereint werden.

Harold Wayne Lovell hatte die Familie in Chicago 1977 als junger Mann verlassen, weil er sich nicht mit seiner Mutter und seinem Stiefvater verstand. Genau zu dieser Zeit suchte sich Gacy seine Opfer in der Gegend rund um Chicago, bot ihnen Arbeit an und lockte sie in sein Haus. Lovell war zu der Zeit längst in Florida, suchte und fand verschiedene Jobs als einfacher Arbeiter. Ein paar Mal hatte er Probleme mit der Polizei, meist wegen kleinerer Drogenvergehen.

Polizei sucht nach DNS-Vergleichsmaterial

Gacy war 1978 verhaftet worden, hatte die 33 Morde gestanden und war 1994 hingerichtet worden. Von Gacys Opfern konnten bisher acht nicht identifiziert werden. Kürzlich hatte die Polizei von Cook County bei Chicago neue Beweisstücke mit DNS-Spuren der Opfer gefunden und Angehörige von eventuellen Opfern dazu aufgerufen, DNS-Vergleichsmaterial zum Abgleich zur Verfügung zu stellen. Lovells Geschwister, die mittlerweile in Alabama leben, hatten genau das vor, als sie zufällig ein Polizeifoto ihres verschollenen Bruders im Internet fanden. Das Foto war in Florida aufgenommen worden.

Lovell lebt dort unter seinem zweiten Vornamen, seine Geschwister konnten ihn per Telefon erreichen. Sie kauften ihm einen Busfahrschein nach Alabama, und die Familie konnte zum ersten Mal seit 34 Jahren wiedervereint werden. Wayne Lovell beschrieb das Treffen mit seinen Geschwistern als „großartig“. Er sagte: „Ich komme aus dem Nichts und habe jetzt plötzlich alles. Ich muss mich immer noch in den Arm kneifen.“ (dapd)

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