Euro springt nach Krisen-Gipfel an

Erleichtert, aber nicht euphorisch haben die Anleger am Devisenmarkt auf das weitreichende Maßnahmenpaket der Euro-Länder zur Bekämpfung der Schuldenkrise reagiert.

Frankfurt - Erleichtert, aber nicht euphorisch haben die Anleger am Devisenmarkt auf das weitreichende Maßnahmenpaket der Euro-Länder zur Bekämpfung der Schuldenkrise reagiert. Die Gemeinschaftswährung kletterte am Donnerstag in der Spitze um gut eineinhalb Cent auf ein Sieben-Wochen-Hoch von 1,4046 Dollar. „Das ist nicht schlecht, aber eine wahre Rally sieht anders aus“, sagte ein Händler.

Stabilisierung der Krise

Für HSBC-Trinkaus-Analyst Rainer Sartoris ist der etwas gebremste Anstieg nicht weiter verwunderlich: „Mit den nun verkündeten Maßnahmen rückt eine Stabilisierung der Krisen-Situation zwar näher, aber jedem muss klar sein, dass die Lösung des Schuldendilemmas in der Euro-Zone noch ein weiter Weg ist.“ Auch aus Sicht von Janwillem Acket, Chefvolkswirt bei Julius Bär, bleibt die Euro-Zone „eine Risenbaustelle, an der an vielen Ecken und Enden noch gewerkelt werden muss“.

Die Beschlüsse des Brüsseler Euro-Gipfels sehen unter anderem einen Schuldenschnitt für Griechenland von 50 Prozent, Eckpunkte zur Stärkung der Banken und einen effektiveren Einsatz der Mittel des Rettungsfonds EFSF vor. Wie genau die Hebelung des EFSF aber funktionieren soll, ist laut HBSC-Analyst Sartoris noch unklar: „Die Politiker müssen jetzt möglichst zügig die Details nachliefern, sonst könnte die Erleichterung schnell wieder in Verunsicherung umschlagen.“

Die 17 Euro-Länder verständigten sich nach einem Verhandlungsmarathon darauf, dem EFSF die Möglichkeit zu geben, insgesamt über eine Billion Euro für angeschlagene Euro-Staaten zu mobilisieren. Angedacht sind zwei Optionen: Eine Versicherungslösung, bei der der EFSF privaten Gläubigern von Staatsanleihen einen Teil ihres Risikos abnimmt. Außerdem sollen Investmentgesellschaften gegründet werden können, in die auch der IWF sowie private und öffentliche Investoren wie Staatsfonds einzahlen können. Auch hier würde der EFSF mögliche Erstausfallverluste übernehmen. Die Modalitäten wollen die Euro-Finanzminister im November festlegen.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Großer Schwachpunkt

Für die Analysten der Commerzbank ist der EFSF-Hebel allerdings ein großer Schwachpunkt in dem Rettungskonzept: Eine Absicherung der Neuemissionen von 20 bis 25 Prozent „könnten von den Investoren als nicht ausreichend angesehen werden, wenn die Gefahr eines Schuldenschnitts besteht“, hieß es in einem Kommentar. Die entscheidende Frage sei also, ob die Anleger es als attraktiv genug betrachten, ihr Geld in Anleihen von problembeladenen Ländern aus dem Euro-Raum zu stecken.

Am Kredit- und Anleihenmarkt machte sich nach den Gipfelbeschlüssen etwas Entspannung breit. Die Kosten für die Kreditausfallversicherungen (CDS) Italiens und Spaniens, die sich zu zusätzlichen Reformschritten verpflichtet haben, gingen zurück. Die zuletzt eher verschmähten zehnjährigen Anleihen aus den beiden hoch verschuldeten Ländern machten wieder Boden gut. Die Rendite der italienischen Anleihen fiel zeitweise auf 5,728 Prozent nach 5,930 Prozent am Mittwoch. Entsprechend verringerten sich die Risikoaufschläge zu den vergleichbaren deutschen Pendants , die in der Spitze bei 2,204 (Vortag: 2,048) Prozent rentierten. (APA/Reuters)


Kommentieren


Schlagworte