Syrien: Assad warnt Westen vor militärischer Einmischung

Eine Intervention würde ein „Erdbeben“ nach sich ziehen, so Assad. Dutzende Tote gab es erneut bei Kämpfen zwischen Soldaten und Deserteuren.

Damaskus, Kairo - Syriens Präsident Bashar al-Assad hat den Westen vor einer militärischen Einmischung gewarnt. Syrien sei nun das „Zentrum der Region“ und jegliche Intervention werde ein „Erdbeben“ nach sich ziehen, sagte Assad der britischen Zeitung „Sunday Telegraph“. Bei Kämpfen zwischen syrischen Soldaten und Deserteuren starben am Wochenende Dutzende Menschen, die Sicherheitskräfte gingen weiter brutal gegen Oppositionelle vor.

„Wollen Sie ein neues Afghanistan? Oder zehn davon?“, sagte Assad in Anspielung auf den seit mehr als zehn Jahren andauernden NATO-Einsatz am Hindukusch. „Jedes Problem in Syrien wird die gesamte Region in Brand stecken. Wenn der Plan ist, Syrien zu spalten, wird die ganze Region gespalten.“ Er räumte gleichzeitig „viele Fehler“ seiner Sicherheitskräfte zu Beginn der landesweiten regierungskritischen Proteste Mitte März ein. Jetzt jedoch würden ausschließlich „Terroristen“ angegriffen.

Assads Sicherheitsapparat unterdrückt seit Monaten brutal die Proteste im Land. Seit Beginn der Aufstände starben nach UN-Schätzungen mehr als 3000 Menschen. In der Armee gab es jüngst immer wieder Übertritte zur Protestbewegung. Bei schweren Kämpfen zwischen Soldaten und Deserteuren vor allem in der Stadt Homs kamen seit Freitagabend laut Aktivisten mehr als 30 Menschen ums Leben. Am Samstag wurden mindestens zwölf Zivilisten unter anderem durch Scharfschützen getötet, wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Zudem seien in Homs mehrere Zivilisten in ihren Häusern erschossen worden.

Indes bat Assad das verbündete Russland um Unterstützung und betonte das „historische“ Verhältnis beider Länder. „Wir verlassen uns auf Russland als ein Land, mit dem wir starke Verbindungen pflegen“, sagte Assad am Sonntag dem Sender Channel One. „Die Rolle Russlands ist extrem wichtig.“ Moskau wisse zudem um die „Gefahren einer militärischen und politischen Intervention in Syrien“.

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Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte Assad vor knapp einem Monat zwar zu Reformen und andernfalls zum Rücktritt aufgefordert, trotzdem bremst Moskau im UN-Sicherheitsrat weiter ein entschiedenes Vorgehen gegen Syrien. Auch China gilt als Bremser. Allerdings sagte Chinas Nahost-Gesandter Wu Sike am Sonntag in Kairo, er habe der syrischen Führung bei einem Treffen in Damaskus die „Gefahr der Situation“ verdeutlicht und ein Ende der Gewalt gefordert.

Gegner der syrischen Regierung fordern mittlerweile von der internationalen Gemeinschaft ein Eingreifen in Syrien nach dem Vorbild Libyens. Für Sonntag rief die Protestbewegung zu erneuten Demonstrationen auf. Die Arabische Liga warnte Assad vor einer „Internationalisierung der Krise“ in seinem Land, sollten die Vermittlungsversuche zu einem Ende der Gewalt ergebnislos bleiben. Die Zeitung „Al-Kabas“ aus Kuwait berichtete, Vertreter der Organisation hätten Assad mit ausländischen Interventionen und einem Wirtschaftsembargo gedroht.

Das syrische Regime reagiere aber auch auf arabischen Druck nicht. „Wir sehen nicht, dass die syrische Seite irgendwelche Fortschritte macht. Die Arabische Liga hatte ein Ende des Blutvergießens gefordert, die Freilassung der Gefangenen und den Beginn echter Reformen, all dies ist nicht geschehen“, sagte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, der ägyptischen Tageszeitung „Al-Shorouq“ (Sonntag).

Al-Arabi flog am Samstag nach Katar, wo eine Gruppe arabischer Außenminister noch am Sonntag mit syrischen Regierungsmitgliedern zusammentreffen wollte. Das bestätigte ein Sprecher der Liga in Kairo. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete unterdessen, an diesem Montag werde ein von Assad eingesetztes Komitee, das die Verfassung überarbeiten soll, zum ersten Mal tagen. Am Samstag seien 15 Angehörige der Sicherheitskräfte begraben worden, die als „Märtyrer“ gestorben seien. (APA/AFP/dpa)


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